Archiv Neues aus den Mitgliedorganisationen 
(April 2002)
 

Gebt uns eine Stimme

Am Abend des 10. März gaben Jugendliche in Berlin aus verschiedenen Organisationen, Schülervertretungen und sonstigen Gruppierungen Deutschlands den Start der bundesweiten Wahlrechtskampagne „Ich will wählen“ bekannt. In den nächsten Monaten bis zur Bundestagswahl können Unter18jährige in ganz Deutschland eine Petition unterschreiben, die im September beim Bundestag eingereicht werden soll. Bis dahin werden Unterschriften auf Papier und im Internet gesammelt.
In der Petition mit dem Titel „Ich will wählen“ werden die rechtlichen Voraussetzungen dafür gefordert, dass jeder Unter18jährige, der unterschreibt, „höchstpersönlich und ohne Stellvertretung“ an Wahlen und Abstimmungen teilnehmen kann.
„Wie jeder Mensch, der in diesem Land lebt, bin auch ich von politischen Entscheidungen betroffen: In der Gegenwart vor allem von Kinder-, Jugend-, Familien- und Bildungspolitik; und langfristig z. B. von den Auswirkungen heutiger Staatsverschuldung, Umwelt- oder Rentenpolitik. Andere Politikbereiche, wie Fragen von Krieg und Frieden, Sozial- und Wirtschaftspolitik oder der Umgang mit Minderheiten, gehen auch mich etwas an.“, heißt es in dem Petitionstext. Die Jugendlichen begründen ihre Forderung damit, dass sie ernst genommen und als gleichwertige Menschen anerkannt werden wollen. Politik werde hauptsächlich für die gemacht, die wählen dürfen. Die Interessen der nicht wahlberechtigten Menschen würden daher oftmals erkennbar vernachlässigt, heißt es.
Im Rahmen der Kampagne soll ein breites Bündnis von Jugendlichen aus ganz Deutschland zahlreiche Aktionen organisieren. Informationen zur Kampagne, die Liste der Unterstützenden und ihre Begründungen sollen auf vielfältige Weise veröffentlicht und bereits während der Kampagne ausgewertet werden. Dazu gibt es die eigene Homepage: www.ich-will-waehlen.de. Geplant ist auch eine Kampagnenzeitung. Die Wahlrechtskampagne „Ich will wählen“ wird vom Deutschen Kinderhilfswerk und dem Bundesministerium für Jugend gefördert.
Von einem Wahlrecht für Unter18jährige versprechen sich die Organisatoren der Kampagne vor allem, dass die Interessen der Unter18jährigen (insgesamt ca. 20 Prozent der Gesamtbevölkerung) angemessenere Berücksichtigung in Politik und Gesellschaft finden. Die an der Kampagne beteiligte Kinderrechtsgruppe K.R.Ä.T.Z.Ä. hatte bisher drei Mal versucht, das Wahlrecht für Kinder und Jugendliche auf juristischem Weg einzuklagen und dabei im Wesentlichen alle rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft. Nun gehe es darum, mit Hilfe eines breiten Bündnisses auf parlamentarische Entscheidungen hinzuwirken.
· K.R.Ä.T.Z.Ä. 
c/o Netzwerk Spiel/Kultur e.V. 
eMail kraetzae@kraetzae.de 

(RB 04/02)

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