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(Juli-August 2001)
 

Schwules Überfalltelefon erhält CSD-Preis für Zivilcourage

Das Schwule Überfalltelefon Berlin (SÜB) wurde auf dem Christopher-Street-Day Ende Juni mit dem neu geschaffenen Zivilcouragepreis ausgezeichnet. Weitere Preisträger sind neben dem Projekt von Mann-O-Meter e.V. so bedeutende Persönlichkeiten wie Paul Spiegel, Vorsitzender des Zentralrates der Juden in Deutschland. Für die Mitarbeiter des SÜB heißt Zivilcourage, sich für Opfer von Gewalt und Diskriminierung einzusetzen und Betroffenen Hilfe und Unterstützung anzubieten. Bastian Finke, Projektleiter des SÜB nannte die Auszeichnung „eine große Ehre und eine Anerkennung für unsere elfjährige Arbeit.“ In diesen Jahren ist die Einstellung der Gesellschaft zu Schwulen und Lesben besser geworden. Aber jedes der rund 200 Opfer, die sich jährlich an das SÜB wenden, zeigt, dass es nach wie vor Gewalt gegen Schwule gibt. Sie scheint den Tätern oft legitim und trifft die Opfer in ihrem Innersten, da ihre Identität angegriffen wird.
Täglich steht in der Zeit zwischen 18 und 21 Uhr telefonisch oder persönlich im Mann-O-Meter ein kompetenter Mitarbeiter zur Verfügung. Er führt mit den Opfern ein erstes Gespräch, vermittelt Informationen und bespricht weitere unterstützende Maßnahmen. Dabei werden auch die Hinweise und Meldungen von Diskriminierung und Gewalt dokumentiert. Der größte Teil der Arbeit des SÜB spielt sich allerdings außerhalb dieser Sprechzeiten ab: Opferbegleitung zur Polizei oder zum Gericht, Beratungstermine, Telefonate mit Ämtern und die Planung von Unterstützungsmaßnahmen. Und schließlich bittet die Polizei um Nachhilfe in Sachen „Opfer antischwuler Gewalt“. 
Die Bedeutung des SÜB liegt in seiner Funktion als nachsorgende und beratende Instanz. Betroffene von Straftaten wissen, dass ihnen Hilfe oft versagt bleibt. Fachkundige Beratung und qualifizierter Beistand, oft für lange Zeit, sind nur schwer zu bekommen. Für die Anerkennung der Bedeutung von Opferhilfe engagiert sich das SÜB darum seit vielen Jahren unermüdlich im Arbeitskreis der Opferhilfen in der Bundesrepublik Deutschland e.V. 
Die Arbeit des SÜB wird vom Senat mit 120.000 DM im Jahr gefördert. Die Fördersumme reiche weder vorne noch hinten, erklärt Thomas Schaaf, Vorstandsmitglied von Mann-O-Meter. „Und die Tatsache, dass sich jährlich über 200 Betroffene an das SÜB wenden und von uns beraten und unterstützt werden, macht die Schaffung einer zweiten festen Stelle erforderlich“. Mehr Geld wünscht sich das SÜB auch für seine Arbeit mit Betroffenen, z.B. für die therapeutisch angeleitete Männer-Gruppe. 
Der Zivilcouragepreis ist mit 2.500 DM dotiert. Im Jahre 1999 hatte das SÜB bereits den Mete-Ekşi-Preis für seine interkulturellen und integrativen Bemühungen erhalten. Ralf Strauss
· Schwules Überfalltelefon Berlin (SÜB)
c/o Mann-O-Meter e.V. (www.mann-o-meter.de)
Motzstr. 5, 10777 Berlin
Tel. 21 75 32 13, Fax 23 63 81 42
Notruf-Tel. 216 33 36
E-Mail sueb@mann-o-meter.de

(RB 07-08/01)

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