ISAAC hilft Menschen ohne ausreichende Verbalsprache, neue Kommunikationswege zu finden (= "Unterstützte Kommunikation"). Dazu zählen körpereigene Methoden wie z.B. Gestik, Mimik und Gebärden und Methoden, bei denen ein Kommunikationshilfsmittel benutzt wird (Bilder, Symbole, elektronische Geräte etc.)
Nun gibt es gerade unter den als "schwer geistigbehindert" eingeschätzten
Menschen oft das Problem, daß sie nicht nur mit der Lautsprache,
sondern auch mit diesen unterstützenden Methoden große Schwierigkeiten
haben. So können z.B. manche Behinderte, die Freude empfinden,
dies nicht durch den entsprechenden Gesichtsausdruck zeigen. Oder
sie können Bewegungen nicht nachahmen und daher nicht oder nur
mühsam Gebärden erlernen. Manche Menschen sind in der Ausführung
willensgesteuerter Handlungen so blockiert, daß es ihnen nicht
gelingt, in einem bestimmten Augenblick eine bestimmte Bewegung (z.B. die Zeigebewegung auf ein Bild/Symbol/einen Buchstaben
hin) alleine auszuführen.
Bei solchen Problemen kann FC (= gestützte Kommunikation; nicht gleichzusetzen mit dem Oberbegriff "Unterstützte Kommunikation")
eine wertvolle Hilfe sein.
Die Methode der gestützten Kommunikation (FC)
Ein geübter Helfer stützt den "FC-Schreiber" an Hand, Handgelenk, Ellenbogen oder später auch nur an der Schulter und ermöglicht es ihm dadurch, seine Bewegungen besser zu kontrollieren und im gewünschten Augenblick auf das Gewünschte (meist eine Buchstabentafel oder Computertastatur) zu deuten. Der Stützer darf dabei niemals führen, sondern nur dem Impuls des Schreibers nachgeben. Ziel der Methode ist es, die Hilfe allmählich auszublenden, so daß der Schreiber sich schließlich eigenständig über ein Schreibgerät mitteilen kann. Das erfordert jedoch jahrelanges Training und kann wohl nicht in jedem Fall erreicht werden.
Die Hilfestellung enthält einerseits krankengymnastische Elemente:
Der Berührungsimpuls hilft über Schwierigkeiten hinweg, eine Bewegung
zu beginnen und vermittelt eine bessere Wahrnehmung des eigenen
Körpers.
Der Stützer verhindert einerseits überschießende und damit nicht mehr zu steuernde Bewegungen, andererseits Perseverationen (= Verharren auf dem gleichen Bewegungsmuster).
Sehr wichtig sind jedoch auch psychische Elemente:
Der Stützer ermutigt den Schreiber, gibt ihm ein Gefühl der Sicherheit
und hilft ihm, sich zu konzentrieren.
Die Erfahrungen der letzten Jahre mit FC zeigen, daß es nicht-
oder kaum sprechende Menschen gibt, die über weit bessere kognitive
Fähigkeiten verfügen als sie ihrer Umgebung zeigen konnten. Viele
von ihnen haben sich im Schulunterricht, durch das Fernsehen oder
die überall gegenwärtige Schrift (z.B. in Kinderbilderbüchern
oder auf Lebensmittelverpackungen) Buchstaben- und Lesekenntnisse
angeeignet, ohne sie anwenden zu können. Erst mit Hilfe von FC
treten diese Fähigkeiten zutage.
Ob sich FC für einen bestimmten Menschen eignet, läßt sich kaum
vorhersagen - erst ein Versuch kann es zeigen (vielleicht auch
über einen längeren Zeitraum hinweg).
Bei den Menschen, denen FC geholfen hat, erfolgreicher zu kommunizieren,
finden sich die Diagnosen
FC hat erst seit wenigen Jahren größere Verbreitung gefunden.
Die Methode wird gegenwärtig noch kontrovers diskutiert und gilt
als "wissenschaftlich noch nicht abgesichert". Auf der einen Seite
gibt es eine große Menge von Erfahrungsberichten über das Gelingen
dieser Kommunikation im Alltag. Auf der anderen Seite konnten
FC-Schreiber nicht in jeder Prüfungssituation ihre Kommunikationsfähigkeit
nachweisen. Über angemessene Validationsmethoden wird zur Zeit
intensiv geforscht.
Dabei zeigt sich:
Das "gestützte Schreiben" erfordert von Stützer und Schreiber
eine hohe Konzentrationsleistung und gelingt nicht in jeder Situation
und jeder (Stützer /Schreiber-)Konstellation.
Kommunizieren muß erlernt werden, z.B. die Unterscheidung zwischen
Wiedergabe von Fakten und Gedanken; der Behinderte muß erst lernen,
eine eigene Meinung klar auszudrücken; Mißverständnisse sind möglich.
FC ist keine Therapiemethode und kann Behinderung nicht heilen. Als Kommunikationsmittel bringt es jedoch eine große Verbesserung der Lebensqualität:
Stumme Menschen haben sich damit zum ersten Mal in ihrem Leben
geäußert (z.B. D. Zöller und B. Sellin, s. Literatur), und auch viele schlecht verständlich sprechende Menschen können
sich damit besser verständigen.
Die Schreiber können mehr Einfluß auf ihr Leben nehmen und werden
selbstbewußter.
Sie werden von ihrer Umgebung auf einem angemessenen Niveau angesprochen;
das Schreiben führt zu mehr sozialen Kontakten und Freundschaften.
Bei vielen Betroffenen haben sich seit Beginn des Schreibens Verhaltenschwierigkeiten
positiv verändert.
Sie können ihrer Umgebung ihre Verhaltensweisen und Bedürfnisse
besser erklären; bei Therapien können sie aktiver mitarbeiten.