Journal by FaxMANAGEMENT HYPERTONIE
JOURNAL BY FAX

Ein Projekt des Herz-Kreislauf-Telefons der Hochdruckliga
mit Unterstützung von Servier Deutschland GmbH

Wissenschaftlicher Beirat: G. Bönner, H.-D. Faulhaber, M. Middeke, R. Schmieder, P. Stolte

5. Jahrgang 2005; Nr. 18

ABDM – Fragen und Antworten

In einer früheren Ausgabe des Management Hypertonie – Journal by Fax (13/2004) wurde die ambulante Blutdruck-Langzeitmessung (ABDM) beschrieben. Dazu haben sich in der Zwischenzeit einige Fragen ergeben, die wir an dieser Stelle gerne für alle interessierten Leser beantworten möchten.

  1. Für die ABDM müssen 24 Stunden festgelegt werden, in denen der Patient, aufgrund des Geräusches während des Aufpumpens, folgende Begleitumstände ausschließen muss: einen Konzert- oder Theaterbesuch, die gemein-same Büronutzung mit Kollegen, Kundentermine, Vorträge, Einladungen, Restaurantbesuche o. ä. Kann man die ABDM also nur am Wochenende oder beispielsweise im Urlaub durchführen?
  2. Die BD-Messung vermeiden sollte man nachts im Liegen, da die Werte dann falsch wiedergegeben werden. Ist das richtig?
  3. Normalerweise sollte im Sitzen gemessen werden. Bei den Messungen im Rahmen der ABDM entfallen jedoch eine ganze Reihe von Messungen auf Situationen während des Stehens, Gehens, Sitzens oder Liegens. Werden dadurch die Mess-Ergebnisse verfälscht und kann man die Ergebnisse beispielsweise dadurch beeinflussen, dass man sich auf einen Stuhl setzt und versucht zu entspannen, sobald das Aufpumpgeräusch hörbar ist?
  4. Vor der BD-Messung sollte eine 3- bis 5-minütige Entspannungsphase erfolgen. Dies jedoch ist bei der ABDM nicht möglich. Wie lässt sich dies mit den Vorgaben vereinbaren?

Antworten auf die o. g. Fragen:
Ad 1. Einer der großen Vorteile der ABDM ist u. a., dass die Messungen unter Alltagsbedingungen erfolgen. So können alle Alltagseinflüsse auf den Blutdruck erfasst werden. Selbst die Messung während eines normalen Arbeitstages ist nach entsprechender Instruktion für die meisten Patienten unproblematisch. Das zeigen nicht nur die täglichen persönlichen Erfahrungen mit tausenden von Patienten seit fast 2 Jahrzehnten. Die Pumpgeräusche der

meisten Geräte sind inzwischen so leise, dass sie von der Umgebung häufig gar nicht wahrgenommen werden. Viele Patienten informieren ihre Arbeitskollegen darüber, dass eine Messung stattfindet. Im Rahmen verschiedener Untersuchungen2,4,5 wurde bei vielen tausend Mitarbeitern in mehreren norddeutschen Betrieben der BD mittels ABDM am Arbeitsplatz gemessen, um die Bedeutung von „job strain” und Arbeitsplatz bedingter Hypertonie zu untersuchen. Wichtige Erkenntnisse konnten so gewonnen werden2,4,5.

Ad 2. Nachts wird halbstündig gemessen. Der nächtliche BD wird ebenso wie der BD tagsüber völlig korrekt gemessen. Dazu gibt es sehr viele Untersuchungen mit gleichzeitiger intraarterieller BD-Messung, Schlaf-EEG usw.3.
Neueste Untersuchungen zeigen sogar, dass der nächtliche BD vor dem 24 Stdunden-BD, dem Tages-BD und der konventionellen Messung in der Praxis am besten mit der kardiovaskulären Mortalität korreliert1.

Ad 3. Für die ABDM gelten andere Vorgaben als für die Praxismessung. Die Messungen können im Stehen, beim Gehen und anderen Aktivitäten erfolgen. Die einzige Voraussetzung ist eine ruhige Armhaltung! Der Einfluss normaler körperlicher Aktivität, wie Gehen usw. auf den BD wird meist überschätzt, z. B. im Vergleich zum psychischen und emotionalen Stress am Schreibtisch.

Ad 4. Diese Vorbedingungen gelten für die Praxismessung und die Selbstmessung zu Hause, aber eben nicht für die ABDM!

Abschließende persönliche Empfehlung: Jeder interessierte Kollege sollte selbst einmal eine ABDM durchführen, um eigene Erfahrungen zu sammeln.

Martin Middeke, München

1 Dolan E, Stanton A, Thijs L et al. (2005) Superiority of ambulatory over clinic blood pressure measurement in predicting mortality: the Dublin outcome study. Hypertension 46 (1): 156-61 [Full text] 2 Kollmann K, Lüders S, Eckard R, Nordbruch B, Schrader J (1996) Blutdruckverhalten von Patienten mit Hypertonie bei der Arbeit im Vergleich zur Freizeit. Nieren- und Hochdruckkrankheiten 8: 352–354 3 Middeke M (1996) Effect of nocturnal blood pressure measurement on sleep and blood pressure during sleep. Z Kardiol 85, Suppl. 3: 99-105 [Abstract] 4 Stork J, Labrot B, Mann H, Nöring R, Saarke KP, Sapllek M, Schrader J, Stalder K (1992) Anstieg des diastolischen Blutdrucks als Beanspruchungsreaktion bei psychomentaler Belastung am Arbeitsplatz. Zentralbl Arbeitsmed 42: 306-311 5 Schrader J, Lüders S, Dominiak P (1999) Arbeit, Streß und Hypertonie. Hoffmann, Berlin
Rückfragen zu diesem Thema richten Sie bitte an die Fax-Nr. 089/57095-126.
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