Journal by FaxMANAGEMENT HYPERTONIE
JOURNAL BY FAX

Ein Projekt des Herz-Kreislauf-Telefons der Hochdruckliga
mit Unterstützung von Servier Deutschland GmbH

Wissenschaftlicher Beirat: G. Bönner, H.-D. Faulhaber, M. Middeke, R. Schmieder, P. Stolte

5. Jahrgang 2005; Nr. 1

Isolierte diastolische Hypertonie

Ähnlich wie der systolische Blutdruck, steigt auch der diastolische Blutdruck mit zunehmendem Lebensalter kontinuierlich an.1. Dies gilt allerdings nur bis zum 5. Lebensjahrzehnt. Ab dem 6. Lebensjahrzehnt sinkt der diastolische Blutdruck wieder ab, während der systolische Blutdruck weiter ansteigt. Damit kommt es im weiteren Verlauf zu einer disproportionierten altersabhängigen Blutdrucksteigerung zugunsten des systolischen Blutdrucks mit Zunahme der Blutdruckamplitude bzw. des Pulsdrucks.
Die Prävalenz der diastolischen Hypertonie ist dementsprechend altersabhängig deutlich geringer als die Prävalenz der isolierten systolischen Hypertonie bzw. der systolischen und diastolischen Hypertonie2.
Eine isolierte diastolische Hypertonie, z. B. 132/98 mm Hg kommt bei älteren Patienten so gut wie nie vor, sondern ist charakteristisch für jüngere und mittelalte Patienten. Die primäre Hypertonie beginnt charakteristischerweise in der 4. bis 5. Lebensdekade häufig mit einer isolierten diastolischen Hypertonie. Da dieser Beginn jedoch sehr häufig unbemerkt verläuft und die Diagnose Hypertonie meist erst Monate und Jahre später gestellt wird, wird auch die isolierte diastolische Hypertonie häufig nicht erfasst. Die diastolische Hypertonie ist bedingt durch eine Erhöhung des peripheren Widerstands. Der Pathomechanismus unterscheidet sich grundlegend von demjenigen bei der isolierten systolischen Hypertonie im Alter. Die isolierte systolische Hypertonie beinhaltet bereits einen schweren Organschaden der großen Gefäße. Sie ist ganz überwiegend Folge des Alterungsprozesses bzw. des Einwirkens anderer Risikofaktoren mit der Entwicklung einer Arteriosklerose. Diese führt zur Versteifung der Gefäße und nachlassender Windkesselfunktion und dadurch bedingter Erhöhung der Blutdruckamplitude.
Im weiteren Verlauf der Hypertonie kommt es nach der isolierten diastolischen Hypertonie häufig zur diastolischen und systolischen Hypertonie. Bei schwerer diastolischer Hypertonie muss immer auch an eine sekundäre Hypertonieform gedacht und dementsprechend die Diagnostik erweitert werden. Dagegen ist eine sekundäre Hypertonie bei der isolierten systolischen Hypertonie nicht zu vermuten.
Das relative Risiko, z. B. für einen Schlaganfall, ist bei der isolierten diastolischen Hypertonie deutlich geringer als bei der kombinierten Hypertonie und sehr viel geringer als bei der isolierten systolischen Hypertonie (s. Abb.).

Relative Schlaganfall-Risiko

Abbildung: Relatives Schlaganfall-Risiko (adjustiert für Alter, Herzfrequenz, BMI, Diabetes, Cholesterin und Rauchen) bei Normotonie, isolierter diastolischer Hypertonie, systolischer und diastolischer Hypertonie und isolierter systolischer Hypertonie (nach Nielsen3).
1 = Normotonie (< 140/90 mm Hg);
2 = isol. diast. Hypertonie (< 160/> 90 mm Hg);
3 = kombiniert syst. und diast. Hypertonie (> 160 /> 90 mm Hg);
4 = isoliert syst. Hypertonie (< 160/< 90 mm Hg).

Allerdings beziehen sich die Definitionen dabei noch auf die alten Blutdruckgrenzen von 160/90 mm Hg. Man kann jedoch davon ausgehen, dass diese Beziehung auch für die heutigen Blutdruckgrenzen von 140/90 mm Hg stimmt.
Bis in die 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts stand bei der Bewertung der Hypertonie der diastolische Blutdruck im Vordergrund. Dann zeigten die Daten der Framingham-Studie erstmalig die Bedeutung der systolischen Hypertonie. Inzwischen wissen wir durch weitere epidemiologische und Interventionsstudien, dass die isolierte systolische Hypertonie von größerer Bedeutung ist als die isolierte diastolische Hypertonie. Diastolische und systolische Hypertonie entstehen durch zwei verschiedene Pathomechanismen. Es handelt sich ganz offensichtlich auch um zwei verschiedene Hypertoniekollektive. Ein direkter Übergang von einer isolierten diastolischen Hypertonie in eine spätere isolierte systolische Hypertonie ist bisher epidemiologisch nicht beschrieben, und ist auch eher unwahrscheinlich.
Die normale Blutdruckmessung und richtige Interpretation der Ergebnisse unter Berücksichtigung des Alters des Patienten lässt bereits wichtige Rückschlüsse auf Pathogenese und Risiko der Blutdruckerhöhung zu, sowie auf bereits vorhandene Gefäßschäden.

Martin Middeke, München

Literatur: 1. Kannel WB (1999) Historic perspectives on the relative contributions of diastolic and systolic blood pressure elevation to cardiovascular risk profile. Am Heart J 138: 205-210 [Pubmed Abstract] 2. Huang J, Wildman RP, Gu D et al. (2004) Prevalence of isolated systolic and diastolic hypertension in China. Am J Hypertens 17: 955-62 [Pubmed Abstract] 3. Nielsen WB, Lindenstrom E, Vestbo J, Jensen GB (1997) Is diastolic hypertension an independent risk factor for stroke in the presence of normal systolic blood pressure in the middle-aged and elderly? Am J Hypertens 10: 634-39 [Pubmed Abstract] Buchtipp (soeben erschienen): Middeke M (2005) Arterielle Hypertonie. Thieme Verlag Stuttgart (235 Seiten, 259 Abb., 78 Tab.) ISBN: 3131265213
Rückfragen zu diesem Thema richten Sie bitte an die Fax-Nr. 089/57095-126.
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