Hitze
Ein Sonnenstich und ein Hitzeschlag sind Komplikationen, die durch direkte Sonnenbestrahlung oder längerfristige Hitzeeinwirkung entstehen und beim Hypertoniker und Normotoniker gleichermaßen auftreten können. Besonders hoch ist die Hitzebelastung in tropischem Klima mit seiner hohen Luftfeuchtigkeit. Durch die Weitstellung der Hautgefäße und einen ausgeprägten Schweißverlust kann das zirkulierende Blutvolumen rasch abnehmen. In der Folge kommt es zu Blutdruckabfällen, in Extremfällen bis hin zum Hitzekollaps. Ein Hitzekollaps kann durch die Einnahme von Antihypertensiva gefördert und verstärkt werden. Um dies zu verhindern, sollte der medikamentös behandelte Hypertoniker in großer Hitze stets für einen konstanten Flüssigkeitsersatz sorgen. Dabei soll er sich nicht an seinem aktuellen Durstgefühl orientieren, da dieses erst sehr spät reagiert und dann oft schon ein deutliches Flüssigkeitsdefizit besteht. Es gilt deshalb als besserer Rat, ihm eine so große Trinkmenge zu verordnen, dass er noch alle 4 Stunden einen normal verdünnten Urin lassen kann. Bei längerem Aufenthalt in der Hitze oder bei starkem Schwitzen über 4 Stunden hinaus ist auch an die Substitution von Elektrolyten zu denken. Die Getränke sollten nicht eiskalt sein, sondern zwischen 12 und 20° C temperiert sein. Bei längerfristigem Blutdruckabfall ist zu überlegen, ob Antihypertensiva, besonders Diuretika, reduziert werden müssen. Eine physiologische Adaptation an Hitze tritt bei den meisten Personen erst nach ungefähr einer Woche ein.
Kälte
Eine schnelle Kälteexposition führt durch eine reflektorische Vasokonstriktion zu einem prompten Blutdruckanstieg und bei gegebener Prädisposition möglicherweise auch zu einem Koronarspasmus. Die Gefahr einer kardialen Dekompensation oder eines Herzinfarktes steigt. So empfiehlt es sich für Hypertoniker, besonders wenn schon
eine koronare Herzkrankheit bekannt ist, plötzliche Temperaturwechsel zum Beispiel aus einer Gaststätte auf die Skipiste durch gute Kleidung und langsame Übergänge verträglich zu gestalten. Vor größeren körperlichen Anstrengungen in der Kälte sollte eine vorsichtige Aufwärmphase und langsame Adaptation vorgeschaltet sein. Als besonders kritisch gilt der alpine Skiabfahrtslauf, da sich hierbei Kälte, Höhe und isometrische Arbeit negativ addieren. Ebenfalls gefährlich ist der kalte Guß oder das kalte Tauchbecken nach einem Saunagang. Vergleichbar riskant ist das Schwimmen in einem kühlen Bergsee nach dem Sonnenbaden.
Sport im Urlaub
Oft ist der Patient im Alltag sportlich nicht sehr aktiv. Im Urlaub sollte in solchen Fällen nur langsam die körperliche Aktivität gesteigert werden. Sportarten mit isotoner Belastung sind solchen mit isometrischer Belastung vorzuziehen. So ist für Hypertoniker Skilanglauf besser als Skiabfahrtslauf. Segeln, Wasserski und Krafttraining gelten als stark belastend. Radfahren ist bei gleich bleibender Belastung als Ausdauersport günstig, bei großen Höhenunterschieden jedoch stark kraftfordernd und ungünstig. Schwimmen in temperiertem Wasser (27° C) ist weniger belastend als in Thermalwasser. Der Patient hat beim Schwimmen zu beachten, dass durch den Tauchreflex die Herzfrequenz im Wasser bei gleicher Belastung wie auf dem Land um 10 – 20 Schläge/min geringer ansteigt! Tieftauchen sollten Hypertoniker meiden, nur bei sehr gut eingestelltem Blutdruck und Fehlen von assoziierten Erkrankungen kann Schnorcheln und Abtauchen in mäßige Tiefen versucht werden. Golf spielen ist aufgrund seiner gleichmäßigen Belastung sicher verträglicher als Tennis spielen, das oft durch seine kurzen spontanen Spurts und seinen Wettkampfcharakter stärker belastend für den Kreislauf ist.
Gerd Bönner, Bad Krozingen
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