Journal by FaxMANAGEMENT HYPERTONIE
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Ein Projekt des Herz-Kreislauf-Telefons der Hochdruckliga
mit Unterstützung von Servier Deutschland GmbH

Wissenschaftlicher Beirat: G. Bönner, H.-D. Faulhaber, M. Middeke, R. Schmieder, P. Stolte

7. Jahrgang 2007; Nr. 3


Hypertonie und Akupunktur

In Deutschland hat – wie auch in anderen Ländern – in den letzten Jahren das Interesse an alternativen Heilmethoden trotz oder wegen der Entwicklung der modernen naturwissenschaftlich orientierten Medizin zugenommen. Vor allem betrifft dies die traditionelle chinesische Medizin (TCM), zu der auch die Akupunktur gehört. Als Indikation wird neben Haupteinsatzgebieten wie die Behandlung akuter und chronischer Schmerzzustände auch die arterielle Hypertonie genannt.
In Fallbeschreibungen und einer Vielzahl kleinerer unkontrollierter klinischer Studien wurde eine blutdrucksenkende Wirkung durch Akupunktur beschrieben. Das führte auch zu einer Suche nach Veränderungen hypertonierelevanter biochemischer Parameter unter der Akupunktur; dabei wurden Wirkungen auf Parameter wie Plasmarenin, Aldosteron, Angiotensin II, Noradrenalin, Enkephalin und Endorphine gefunden, ohne daraus ein schlüssiges pathophysiologisches Konzept für eine Langzeitwirkung ableiten zu können. In einer zusammenfassenden deutschspra-chigen Bewertung der vorliegenden Ergebnisse wurde im Jahr 2000 geschlussfolgert, dass zu diesem Zeitpunkt eine Therapie der arteriellen Hypertonie nicht empfohlen werden kann1.
Zum gleichen Ergebnis kommt 2001 das National Heart, Lung, and Blood Institute der USA gemeinsam mit dem National Center for Complimentary and Alternative Medi-cine und empfiehlt zusätzlich in der Forschung die Beschränkung auf wissenschaftlich fundierte und aussagefähige Studien, um Ressourcen nicht zu vergeuden und die Bevölkerung nicht zu gefährden2.
Danach wurde jetzt die erste größere randomisierte kontrollierte klinische Studie zur Behandlung der arteriellen Hypertonie mit Akupunktur veröffentlicht. Es handelt sich um das Stop Hypertension With the Acupuncture Research Program (SHARP)3 Finanziert wurde die Studie durch das o. g. National Center for Complimentary and Alternative Medicine, In die Studie wurden 192 unbehandelte Hypertoniker mit Blutdruckwerten von 140/90 bis 179/109 mm Hg eingeschlossen. Sie wurden 3 Behand-

lungsgruppen randomisiert zugeordnet: 1. individualisierte Akupunktur, 2. standardisierte Akupunktur und 3. „Kontroll”-Akupunktur. Die Gruppen 1 und 2 umfassten die Patienten mit aktiver Behandlung, die Gruppe 3 fungierte als Referenzgruppe mit einer Scheinakupunktur, bei der Akupunkturnadeln an Stellen appliziert wurden, die nicht der TCM entsprechen. Die Akupunktur-Diagnose und -Therapie in den Gruppen 1 und 2 erfolgte durch ein Team lizenzierter, langjährig tätiger (> 12 Jahre) und in China ausgebildeter Akupunkturspezialisten. Die angewendeten Techniken für die individualisierte und für die standardisierte Behandlung können hier nicht beschrieben werden und sind der Originalarbeit zu entnehmen. Die Behandlungsdauer entsprach 12 Sitzungen (2 pro Woche) und damit im Mittel sechs Wochen.
Nach Abschluss der Beobachtungsperiode wurde in allen drei Gruppen eine leichte Blutdrucksenkung registriert (systolisch 3.6 – 3.8, diastolisch 2.8 – 4.6 mm Hg). Zwischen den Gruppen bestanden keine signifikanten Unterschiede, vor allem nicht zwischen den Behandlungsgruppen (1 und 2) und der Kontrollgruppe 3. Auch durch Kategorisierung der Probanden nach Alter, Geschlecht, Rasse, Ausgangsblutdruck, Adipositas oder nach TCM-Diagnose ließen sich keine Untergruppen feststellen, die von der Akupunktur im Vergleich mit der Kontrollgruppe profitierten. Das Maß der Blutdrucksenkung in den Gruppen der SHARP-Studie war nicht höher als in den Plazebogruppen in sieben zum Vergleich herangezogenen Antihypertensivastudien.
In einem Begleitkommentar4 wird eine klare Schlussfolgerung gezogen. „Akupunktur hat keine Bedeutung für die Behandlung der Hypertonie“. Von weiteren Studien sind keine Erkenntnisse zu erwarten, die diese Aussage ändern. Es sollte auch berücksichtigt werden, dass Zeit- und Kostenaufwand einer regelmäßigen Akupunkturbehandlung in jedem Fall höher als eine antihypertensive Arzneimitteltherapie ist

H.-D. Faulhaber, Berlin

Literatur: 1. Kraft K (2000) Die Behandlung der arteriellen Hypertonie mit Akupunktur... J für Hypertonie 4: 16-21 [Voller Text] 2. Lin MC, Nahin R, Gershwin ME, Longhurst JC, Wu KK (2001) State of complementary and alternative medicine in cardiovascular, lung, and blood research: executive summary of a workshop. Circulation 103: 2038-2041 [Full text 3. Macklin EA, Wayne PM, Kalish LA, Valaskatgis P, Thompson J, Pian-Smith MC, Zhang Q, Stevens S, Goertz C, Prineas RJ, Buczynski B, Zusman RM (2006) Stop Hypertension with the Acupuncture Research Program (SHARP): results of a randomized, controlled clinical trial. Hypertension 48: 838-845 [Abstract] 4. Kaplan NM (2006) Acupuncture for hypertension: can 2500 years come to an end? Hypertension 48: 815 [Medline]
Rückfragen zu diesem Thema richten Sie bitte an die Fax-Nr. 089/57095-126.
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