Journal by FaxMANAGEMENT HYPERTONIE
JOURNAL BY FAX

Ein Projekt des Herz-Kreislauf-Telefons der Hochdruckliga
mit Unterstützung von Servier Deutschland GmbH

Wissenschaftlicher Beirat: G. Bönner, Bad Krozingen; H.-D. Faulhaber, Berlin; M. Middeke, München; P. Stolte, Münster

8. Jahrgang 2008; Nr. 3

Messung des zentralen Aortendrucks – Teil II: Klinische Bedeutung zentral erhöhte Blutdrücke

Eine Reihe von Studien belegen die hohe prognostische Bedeutung, die der Erhöhung der zentralen Drücke zukommt. 2007 lagen mehr als 12 Studien vor, die die unabhängige prognostische Bedeutung zentraler Aortendrucke gegenüber konventionellen, peripheren Oberarmmessungen belegten (Übersicht bei 2).

So ist z. B. bei Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz der zentrale Aortendruck ein unabhängiger Prädiktor der Mortalität und korreliert mit linksventrikulärer Masse bei hypertonen jungen Männern. Diese frühen ungünstigen Folgen des erhöhten zentralen Druckes sind schon bei jungen männlichen Normotonikern mit parallelem Anstieg der Augmentation zum linksventrikulären Massenindex zu beobachten.

2002 ist an 180 dialysepflichtigen Patienten der Nachweis gelungen, dass der erhöhte zentrale Pulsdruck ein unabhängiger Prädiktor der Mortalität war, wohingegen der brachiale (konventionelle) Pulsdruck dies nicht war. 2004 konnte gezeigt werden, dass erhöhte zentrale Druckwerte mit dem Risiko einer Koronaren Herzerkrankung assoziiert sind. 2005 war der zentrale Aortendruck bei 297 Männern mit koronarer Herzerkrankung unabhängig von dem brachialen Pulsdruck ein Prädiktor tödlicher kardiovaskulärer Ereignisse und somit bzgl. der prognostischen Bedeutung signifikant über den peripheren Pulsdruck hinausgehend.

Kürzlich publizierte Studien zeigten eindrucksvoll, dass bei vergleichbarer peripherer Blutdrucksenkung moderne Kalziumantagonisten, ACE-Hemmer und auch Sartane den zentralen Blutdruck besser senkten als Betablocker und Diuretika2.

Die größte Aufmerksamkeit erlangte bisher 2006 die CAFE-Substudie von ASCOT an 2.199

Patienten3. Nachdem an 19.257 hypertensiven Patienten in der ASCOT-Studie die Atenolol-basierte (+ Thiazid) im Vergleich zu der Amlodipin-basierten Therapie (+ Perindopril) die Rate an kardialen und zerebrovaskulären Ereignissen deutlich erhöht und daneben die Gesamt-Mortalität ebenfalls unter dem Betablocker signifikant höher war, wurde ASCOT nach 5,5 Jahren frühzeitig abgebrochen. Bei identischer Senkung des brachialen Blutdruckes waren die zentralen Drücke um 4,3 mm Hg niedriger zu Gunsten von Amlodipin (+ Perindopril). Auch der um 3 mm Hg niedrigere zentrale Pulsdruck korrelierte signifikant zum kardiovaskulären Outcome.

Interessanterweise zeigte die gleichzeitig in der Studie gemessene Pulswellengeschwindigkeit keinen Unterschied zwischen den beiden Therapiearmen.

Als Erklärung für die niedrigeren zentralen Aortendrücke unter Amlodipin + Perindopril bieten sich somit 2 Möglichkeiten an:

  1. Unterschiedlicher Einfluss der beiden Therapien auf „Remodeling”-Prozesse kleiner Widerstandsgefäße. Ein sog. „Reverse Remodeling” unter Amlodipin + Perindopril wäre mit einer verminderten, peripheren Pulswellenreflektion und folglich niedrigeren, zentralen Aortendrücken verbunden. Diese Theorie wird durch Daten aus der REASON Studie gestützt 4.
  2. Verlängerung der systolischen Ejektionszeit aufgrund der reduzierten Herzfrequenz unter Atenolol. Die verlängerte Ejektionszeit führt zu einer Verzögerung des peaks der initialen, vom Herzen ausgehenden Druckwelle. Damit wird die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die initiale und die reflektierte Druckwelle spätsystolisch verschmelzen und zu einer höheren Augmentation und damit auch höheren zentralen Drücken führen.

Priv.-Doz. Dr. Thomas Mengden
Med. Klinik und Poliklinik II der Univ.-Klinik Bonn

Literatur: 1. Baulmann J, Schilligs U, Rickert S, Uen S, Düsing R, Cziraki A, Illyes M, Nickenig G Mengden T (2008) A new oscillometric method for assessment of arterial stiffness – Comparison with tonometric and piezo-electronic methods. Journal of Hypertension, in press 2. Agabiti-Rosei E, Mancia G, O’Rourke MF, Roman MJ, Safar ME, Smulyan H, Wang J-G, Wilkinson IB, Williams B, Charalambos Vlachopoulos Ch (2007) Central Blood Pressure Measurements and Antihypertensive Therapy. A Consensus Document. Hypertension 50: 154-160 3. Williams B, Lacy PS, Thom SM, Cruickshank K, Stanton A, Collier D, Hughes AD, Thurston H, O’Rourke M (2006) CAFE Investigators; Anglo-Scandinavian Cardiac Outcomes Trial Investigators; CAFE Steering Committee and Writing Committee. Differential impact of blood pressure-lowering drugs on central aortic pressure and clinical outcomes. Circulation 113: 1213–1225 4. London GM, Asmar RG, O'Rourke MF, Safar ME (2004) REASON Project Investigators. Mechanism(s) of selective systolic blood pressure reduction after a low-dose combination of perindopril/indapamide in hypertensive subjects: comparison with atenolol. J Am Coll Cardiol Jan 7;43(1): 92-9
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