MANAGEMENT HYPERTONIE| Wissenschaftlicher Beirat: G. Bönner, Bad Krozingen; H.-D. Faulhaber, Berlin; M. Middeke, München; P. Stolte, Münster |
8. Jahrgang 2008; Nr. 4 |
| Hypertonietherapie bei Adipositas |
|---|
Ab einem Bodymass-Index (BMI) von 30 kg/m2 kann davon ausgegangen werden, dass nahezu jeder zweite Adipöse hyperton ist, ab einem BMI von 35 kg/m2 sogar ca. 80 %. In der Framingham und der Nurses Health Study wurde bei Adipösen eine Zunahme der Hypertonieprävalenz gegenüber Normgewichtigen in Abhängigkeit vom BMI bis zum Sechs- bzw. Achtfachen beobachtet. In der HYDRA-Studie an 45.125 unselektierten Patienten in 1.912 Praxen Deutschlands waren die aktuellen Hypertonie-Prävalenzzahlen für Deutschland 34,3 % bei normgewichtigen, 60,4 % bei übergewichtigen und über 70 % (72,9 – 77,2 %) bei adipösen Patienten1. Sowohl Hypertonie als auch Adipositas erhöhen unabhängig voneinander die kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität3 mit Verschlechterung der Surrogatparameter, wie beispielsweise die linksventrikuläre Masse, die Intima-Media-Dicke und die systolische sowie diastolische Herzfunktion. Angesichts der „Pandemie“-ähnlichen Zunahme von Übergewicht und Adipositas weltweit ist es erstaunlich, wie wenig konkret auf differentialtherapeutische Optionen des „übergewichtigen Hypertonikers“ bzw. einer „Adipositas-assoziierten Hypertonie“ in den Guidelines von WHO, JNC VII, ESH und der Deutschen Hochdruckliga eingegangen wird. Im Zentrum der Therapie des übergewichtigen Hypertonikers steht die Gewichtsreduktion mittels „life-style“-Intervention, d. h. relevante Gewichtsabnahme (5 – 10 % des Körpergewichtes) durch Ernährungsumstellung und Bewegungsintensivierung – ggf. ergänzt mit wissenschaftlich geprüften medikamentösen Strategien (Orlistat, Sibutramin oder Rimonabant), die eine differenzierte Betrachtung verlangen worauf in diesem Beitrag nicht eingegangen werden kann2,4. Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass der Blutdruck um 1 – 1,5 mm Hg pro kg Gewichtsreduktion sinkt. |
lichen Leistungsfähigkeit, das Fehlen gewichtssteigernder Potenzen und ausgeprägte antiproliferative Eigenschaften im Hinblick auf die Regression von Linksherzhypertrophie oder vaskuläre Intima-Media-Verdickungen. Außerdem sollte das Medikament keine Natrium- und Volumenretention hervorrufen, d. h. die Differentialtherapie orientiert sich zur Zeit primär an der Ätiopathogenese der Adipositas-assoziierten Hypertonie, den individuellen Risikofaktoren sowie den Begleit- und Folgeerkrankungen.
Dabei führen besonders Beta-Rezeptorenblocker langfristig im Gegensatz zu anderen Antihypertensiva zur Erhöhung des Körpergewichtes, nachgewiesen in der UKPD-Studie, dem HAPPHY-Trial und der APSIS-Studie, zusammengefasst in einer systematischen Analyse von Sharma et al.6. Darüber hinaus konnten SCHOLZE et al. erst kürzlich mit der HOS-Studie in Circulation5 zeigen, dass die Sibutramin-induzierte Gewichtsabnahme bei Hypertonikern unter einer Betablocker/Diuretika-Kombination im Vergleich zu Kombinationstherapien aus ACE-Hemmern/ Kalziumantagonisten signifikant verringert ist und eine Verbesserung des Glucosestatus durch erstere Kombination antagonisiert wird. Priv.-Doz. Dr. Thomas Mengden |
| Literatur: 1. Bramlage P, Pittrow D, Wittchen HU et al. (2004) Hypertension in overweight and obese primary care patients is highly prevalent and poorly controlled. Am J Hypertens 17(10): 904-910 2. Derosa G, Cicero AFG, Murdolo G et al. (2005) Efficacy and safety comparative evaluation of orlistat and sibutramine treatment in hypertensive obese patients. Diabetes, Obesity and Metabolism 7: 47-55 3. Douketis JD, Sharma AM (2004) The Management of hypertension in the overweight and obese patient. Is weight reduction sufficient? Drugs 64(8): 795-803 4. Jordan J, Scholze J, Matiba B et al. (2005) Influence of sibutramine in blood pressure: evidence from placebo-controlled trials. Intern J Obes 1-8 5. Scholze J, Grimm E, Herrmann D et al. (2007) Optimal Treatment of Obesity-Related Hypertension – The Hypertension-Obesity-Sibutramine (HOS) – Study. Circulation 115(15):1991-8 6. Sharma AM, Pischon T, Hardt S, Kunz I, Luft FC (2001) Beta adrenergic receptor blockers and weight gain: a systematic analysis. Hypertension 37 (2): 250-254 |
| Rückfragen zu diesem Thema richten Sie bitte an die Fax-Nr. 089/57095-126. | |||
| |||