Journal by FaxMANAGEMENT HYPERTONIE
JOURNAL BY FAX

Ein Projekt des Herz-Kreislauf-Telefons der Hochdruckliga
mit Unterstützung von Servier Deutschland GmbH

Wissenschaftlicher Beirat: G. Bönner, H.-D. Faulhaber, M. Middeke, R. Schmieder, P. Stolte

7. Jahrgang 2007; Nr. 5


Mehr kontrollierte Hypertoniker in Deutschland?

Schön wär’s ja, wenn die aktuelle Publikation von Wang et al.1 tatsächlich repräsentativ für die Situation in Deutschland wäre: demnach waren in 2004 vierzig Prozent der bekannten und behandelten Hypertoniker kontrolliert, d. h. ihr Blutdruck war < 140/90 mm Hg. Abgesehen davon, dass keine Differenzierung zwischen Männern und Frauen erfolgte, hat die Untersuchung einige Probleme und Limitationen, wie die Autoren selbst einräumen1. Die Daten stammen aus dem internationalen CardioMonitor Projekt, welches seit den 1980er Jahren im Auftrag einer englischen Markforschungsfirma niedergelassene Ärzte zu kardiovaskulären Erkrankungen interviewt. Bei relativ kleiner Patientenzahl von durchschnittlich 13 in 252 Praxen (in dem Beitrag wird von „Hypertension Visits“ berichtet?), kann man sicher nicht von einer repräsentativen Stichprobe sprechen. Wären in Deutschland tatsächlich 40 % der behandelten Hypertoniker kontrolliert, wäre dies ein grandioser Erfolg und hätte enorme epidemiologische Auswirkungen auf die Schlaganfallinzidenz und andere Folgeerkrankungen. In Tab. 1 sind zum Vergleich die Daten aus anderen Untersuchungen in Deutschland seit 1998 zusammengestellt.

Es wird deutlich, wie die 40 % aus dem Rahmen fallen. Es gibt auch keine wirklich plausible Erklärung für diese drasti-sche und schnelle Zunahme an kontrollierten Hypertonikern in den letzten Jahren. Eine positive Tendenz ist aber aus der Tabelle abzulesen. Insbesondere die Screening-Aktionen 1 und 2 sind wegen gleicher Bedingungen gut vergleichbar. Altersunterschiede, Geschlechterverteilung und insbesondere die Art der Blutdruckmessung machen die anderen Untersuchungen nur schwer vergleichbar.
Wird der Anteil der kontrollierten Hypertoniker auf das Gesamtkollektiv bekannter und unbekannter Hypertoniker bezogen, wie es bei repräsentativen Stichproben aus der Bevölkerung möglich ist, so ergibt sich ein deutlich niedrigerer Prozentsatz, z. B. 7,8 % im Bundes-Gesundheitssurvey aus 19986. Diese Publikation hat seinerzeit für große Aufregung gesorgt, weil Deutschland im internationalen Vergleich so schlecht abgeschnitten hatte. Der Prozentsatz der unbekannten Hypertoniker in Deutschland ist ca. 40 %4. Legt man diesen Wert zugrunde so, ergibt sich natürlich ein sehr viel geringerer Prozentsatz für die verschiedenen Untersuchungen.

 CardioMonitorScreening2Screening1KORASHIPBGS
Design
Beteiligte Ärzte N
Praxisstudie 252Praxisstudie 789Praxisstudie 2.834Bevölkerungs-
stichprobe
Bevölkerungs-
stichprobe
Bevölkerungs-
stichprobe
Jahr*200420042001/02200020001998
Anzahl der unter-
suchten Personen N
3.39711.84059.4483.4643 0427.101
Kontrollierte **
Hypertoniker (%)
4029,623,217,015,529,9
***1611,89,36,86,27,8
Einschlussalter
Durchschnittsalter
(Jahre)
> 18
65
> 18
63,3
> 18
62,6
25-64
50,8
20-79
50,0
35-64
?

Tab. 1: Anteil (%) der behandelten und kontrollierten Hypertoniker in Deutschland im Zeitraum 1998-2004: CardioMonitor1. Screening Aktionen 1 und 2 der Deutschen Hochdruckliga in Zusammenarbeit mit Boehringer Ingelheim2,3. KORA= Kooperative Gesundheitsforschung in der Region Augsburg4 SHIP=Study of Health in Pomerania4 BGS=Bundes-Gesundheitssurvey5,6 *angegeben ist das Jahr der Untersuchung, ** < 140/90 mm Hg (behandelte Männer und Frauen), ***Prozentsatz bezogen auf alle unbekannten und bekannten Hypertoniker (für die Praxisstudien wurde ein Prozentsatz von 40% unbekannter Hypertoniker angenommen).

Man kann aber den hohen Prozentsatz der unbekannten Hypertoniker nicht alleine der Ärzteschaft anlasten. Hier sind die Patienten auch selbst gefordert.

Fazit
Es verfestigt sich der Eindruck, dass tatsächlich ein positiver Trend in der Behandlungsqualität der bekannten Hypertoniker in den letzten Jahren eingetreten ist.

Prof. Dr. Martin Middeke, München

Literatur: 1. Wang Y, Alexander G, Stafford R (2007) Outpatient Hypertension Treatment, Treatment Intensification, and Control in Western Europe and the Unites States. Arch Intern Med 167: 141-47 [Abstract] 2. Lemmer B, Middeke M, Schaaf B, Eckes L. Prescribing practices and morning blood pressure control: results of a large scale, primary-care study conducted in germany. 21st Scientific Meeting of the International Society of Hypertension, Proceedings S.94 3. Middeke M, Lemmer B, Schaaf B, Eckes L. Prevalence of hypertension attributed symptoms: results of a large scale, primary-care study conducted in germany. 21st Scientific Meeting of the International Society of Hypertension, Proceedings S.64 4. Löwel H, Meisinger C, Heier M et al. (2006) Epidemiologie der arteriellen Hypertonie in Deutschland. Dtsch Med Wochenschr 131: 2586-91 [Abstract] 5. Thamm M (1991) Blutdruck in Deutschland – Zustandsbeschreibung und Trends. Gesundheitswesen 61 Spez. Nr.: S90-93 6. Wolf-Maier K, Cooper RS, Kramer H et al. (2004) Hypertension treatment and control in five European countries, Canada, and the Unites States. Hypertens 43: 10-7 [Full text]
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