Journal by FaxMANAGEMENT HYPERTONIE
JOURNAL BY FAX

Ein Projekt des Herz-Kreislauf-Telefons der Hochdruckliga
mit Unterstützung von Servier Deutschland GmbH

Wissenschaftlicher Beirat: G. Bönner, H.-D. Faulhaber, M. Middeke, R. Schmieder, P. Stolte

6. Jahrgang 2006; Nr. 7

Rolle der Ernährung in der nicht-medikamentösen Therapie der arteriellen Hypertonie (2)

Der blutdrucksenkende Effekt einer komplexen Diätumstellung (siehe Teil 1) wird vor allem durch die erhöhte Zufuhr von Kalium, Magnesium und ungesättigten Fettsäuren erklärt. Allerdings ist die Beurteilung dieser Nahrungsbestandteile in der Literatur nicht einheitlich. Zwischen Kaliumzufuhr und Blutdruck besteht eine inverse Relation. Demzufolge wird in den meisten Empfehlungen eine kaliumreiche Ernährung für den Hypertoniker empfoh-len, andererseits stellt eine aktuelle Meta-Analyse den blutdrucksenkenden Effekt einer Kaliumsupplementation in Frage2. Allerdings geht es dabei augenscheinlich um die Verabreichung von kaliumhaltigen Tabletten.

Eine kaliumreiche Kost ist dann zu empfehlen, wenn die Nierenfunktion normal ist, also keine Störung der Kalium-ausscheidung vorliegt und keine kaliumsparenden Saluretika, ACE-Hemmer oder AT1-Blocker eingenommen werden. Im Zweifelsfall sollte der Kaliumspiegel bestimmt werden.

Der Effekt von Kalium auf den Blutdruck hängt von der Kochsalzzufuhr ab. Bei einem hohen Kochsalzverbrauch ist die Blutdrucksenkung durch Kalium stärker. Vice versa ist der Effekt einer Kochsalzreduktion bei einem niedrigen Kalium höher.

Auch für Magnesium sind die Daten nicht einheitlich. Studien beschreiben ebenfalls eine inverse Beziehung zwischen Magnesiumzufuhr und Blutdruck, wobei die Daten zur Blutdrucksenkung durch Magnesium nicht konsistent sind. Aktuell zeigen die Ergebnisse einer prospektiven Studie an 4.637 18 - 30jährigen Männern und Frauen (CAR-DIA – Coronary Artery Risk Development in Young Adults), die über 15 Jahre durchgeführt wurde, dass dosis-abhängig eine höhere Magnesiumaufnahme mit der Nahrung die Inzidenz des metabolischen Syndroms senkt5.

Beim Hochdruckkranken sollte nach dem gegenwärtigen Erkenntnisstand ein Magnesiummangel vermieden werden (vor allem unter einer Saluretikatherapie). Schon deshalb spricht nichts dagegen, eine magnesiumreiche Kost zu empfehlen, obwohl nicht eindeutig gesichert ist, dass dadurch der Blutdruck gesenkt wird.

Für Calcium wurde ein blutdrucksenkender Effekt diskutiert; die inzwischen vorliegenden Ergebnisse sprechen aber gegen die Empfehlung einer erhöhten Calciumzufuhr. Für ein- und mehrfach ungesättigte Fettsäuren werden blutdrucksenkende Effekte beschrieben, wobei eindeutige Ergebnisse nur für die n3-Polyenfettsäuren nachgewiesen worden sind.

Bei der Beurteilung komplexer Diäten ist auch untersucht worden, inwieweit die Veränderung des Anteils von Fett, Kohlenhydraten und Eiweißen (unabhängig vom Energiegehalt der Nährstoffe) den Blutdruck beeinflusst. Dazu liegen jetzt eine Vielzahl von Ergebnissen vor, auf die hier nicht eingegangen werden kann, die aber bisher keine allgemein gültigen Empfehlungen zur Folge haben1.

Aktueller Gegenstand wissenschaftlicher (allerdings auch pseudowissenschaftlicher) Diskussionen ist der Effekt von Antioxidantien, die bei einer obst- und gemüseangereicherten Kost vermehrt zugeführt werden. Für solche Stoffe (einige Vitamine, Flavonoide, Polyphenole) ist experimentell nachgewiesen, dass sie die Oxidation von LDL-Cholesterol hemmen, eine endotheliale Dysfunktion günstig beeinflussen (NO-Bildung) und damit auch den Blutdruck senken6. Eine Reihe von Beobachtungsstudien haben günstige Effekte vermuten lassen. Besonders erfreut hat den Autor eine derartige Studie, die in den Niederlanden an 470 älteren Männern über 15 Jahre durchgeführt und jetzt publiziert wurde7. Sie zeigte, dass Männer, die regelmäßig Kakao/Schokolade (enthalten Flavonoide) konsumierten, einen signifikant niedrigeren Blutdruck aufwiesen. Bei einer Aufteilung in Terzile hatte die Gruppe mit dem höchsten Kakao/Schokolade-Konsum eine signifikant niedrigere Herz-Kreislauf- und Gesamtmortalität (ca. 50 %) im Vergleich mit den anderen Studienteilnehmern. So sympathisch dieses Ergebnis auch ist, müssen wir andererseits konstatieren, dass bisher durchgeführte randomisierte kontrollierte Studien mit Antoxidantien und Vitaminen negativ verlaufen sind8 und deshalb diese Inhaltsstoffe zur Zeit kein Bestandteil von Empfehlungen zur nicht medikamentösen Therapie der Hypertonie darstellen.

H.-D. Faulhaber, Berlin

Literatur (Fortsetzung von Teil 1): 5. He K et al. (2006) Magnesium intake and incidence of metabolic syndrome. Circulation. March 27 [Epub ahead of print] [Abstract] 6. Rossi GP (2006) Eating the health of your endothelium: is it too early to say? J Hypertension 24: 259-261 7. Buijsse B et al. (2006) Cocoa intake, blood pressure, and cardiovascular mortality. Zhe Zutphen Elderly Study. Arch intern Med 166: 411-417 [Abstract] 8. McInnes GT (2005) Antioxidants and hypertension: another false dawn? J Hypertension 23: 1963-1966
Rückfragen zu diesem Thema richten Sie bitte an die Fax-Nr. 089/57095-126.
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