Journal by Fax MANAGEMENT HYPERTONIE
JOURNAL BY FAX

Ein Projekt des Herz-Kreislauf-Telefons der Hochdruckliga
mit Unterstützung von Servier Deutschland GmbH

Wissenschaftlicher Beirat: G. Bönner, H.-D. Faulhaber, M. Middeke, R. Schmieder, P. Stolte

3. Jahrgang 2003; Nr. 10

Unzureichende Behandlungsqualität der Hypertonie in der Praxis

Die Blutdruckkontrolle der bekannten und behandelten Hypertoniker ist nach wie vor sehr unbefriedigend, trotz der enormen Fortschritte in der Entwicklung moderner Antihypertensiva und fortschrittlicher Behandlungskonzepte. Eine Statuserhebung in 2.900 Praxen bei ca. 60.000 Patienten ergab eine Blutdruckkontrolle (< 140/90 mm Hg) bei nur 23,2 % der behandelten Hypertoniker 1. Auffallend ist der mit 33,8 % relativ hohe Anteil von Patienten mit isolierter systolischer Hypertonie unter Behandlung. In anderen Industrieländern liegt der Prozentsatz der kontrollierten Hypertoniker bestenfalls ebenso zwischen 20 und 30 %. Die Behandlungssituation ist damit in Deutschland so gut oder schlecht wie in anderen Ländern auch.
Die Gründe für diese unbefriedigende Behandlungsqualität sind sehr vielschichtig. Letztlich liegen sie aber immer entweder auf der Arzt- oder der Patientenseite.
1. Mangelnde Nachhaltigkeit, Kontrolle und Struktur in der langfristigen Behandlung von Hypertonikern in der Praxis im Sinne einer mangelhaften „Arztcompliance”. 2. Mangelhafte Therapietreue (Compliance) seitens der Patienten.
Arztcompliance
Nur sehr wenige Ärzte haben einen Überblick über die eigene Behandlungsqualität in der Praxis. Die Mehrzahl der Ärzte kennt z. B. den Prozentwert der kontrollierten Hypertoniker in der eigenen Praxis nicht. Damit fehlt die wichtigste Rückmeldung als Voraussetzung und Motivation für eine Verbesserung der eigenen Behandlungssituation. Die Untersuchungen von Hosie aus 1995 2 zeigen, dass 76 % der Ärzte sicher waren, den Zielblutdruck bei ihren Patienten erreicht zu haben; aber nur bei 37 % war dies tatsächlich der Fall.
Die meisten Ärzte führen Therapieversagen und unzureichende Blutdruckeinstellung ausschließlich auf die Patienten, die Insuffizienz der Therapie oder auf medizinische Gründe zurück. Eine echte Therapieresistenz bzw. eine schwer einstellbare Hypertonie sind eher seltene Gründe für eine unzureichende Blutdrucksenkung; die Ursachen wurden in früheren Beiträgen von Linß und Scholze (Nr. 6 und Nr. 9 aus 2001) besprochen.
Leider werden gesundheitspolitisch und vergütungstechnisch nach wie vor die falschen Anreize gesetzt mit einer Minderbewertung des ärztlichen Gesprächs, der Prävention und der medikamentösen Therapie, bei gleichzeitiger Überbewertung technischer Leistungen. Diese Schieflage wirkt sich insbesondere in der langfristigen Behandlung chronisch Kranker aus.
Auf der Arztseite sind folgende Mängel für den unzureichenden Behandlungserfolg festzustellen:

  • mangelnde Kommunikation (Info, Aufklärungsgespräch, Schulung),
  • mangelnde Sicherheit und Kenntnisse (Bewertung der Blutdrucksituation, der ABDM-Werte, der Selbstmessung, der Belastungswerte, der Zielblutdruckwerte, insbesondere der isolierten systolischen Hypertonie im Alter),
Literatur: 1. Middeke M, Lemmer (in Vorbereitung) 2. Hosie J, Wiklund I (1995) Managing hypertension in general practice: can we do better? J Hum Hypertens Suppl 2, S15–18 [Pubmed Abstract] 3. Davies SJC, Jackson PR, Ramsay LE, et al. (2003) Drug intolerance due to nonspecific adverse effects related to psychiatric morbidity in hypertensive patients. Arch Intern Med 163(5) 592–600 [Abstract]
Bei Rückfragen oder Interesse an Literatur zu diesem Thema stehen wir Ihnen unter der Fax-Nr. 089/57095-126 gerne zur Verfügung.
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