Gesetzliche Voraussetzungen
Nach einer Verlautbarung des Bundesversicherungsamtes vom 21. Januar 2005 („Leitfaden für die Antragstellung zur Zulassung strukturierter Behandlungsprogramme”) sind derzeit 3 Schulungen ("Das strukturierte Hypertonie Behandlungs- und Schulungsprogramm/HBSP", „Behandlungs- und Schulungsprogramm für Patienten mit Hypertonie" und "Modulare Bluthochdruckschulung IPM/Institut für Präventive Medizin”) im Rahmen der DMP's Diabetes Typ 1 und 2 sowie KHK zugelassen. Durch ein zertifiziertes ärztliches und nicht-ärztliches Trainerteam werden die Kenntnisse zu den Behandlungs- und Schulungsprogrammen im Rahmen von Fortbildungsseminaren für Ärzte und Helfer/-innen in niedergelassenen Praxen weitervermittelt.
Die für die Finanzierung/Abrechnung derartiger Schulungen wichtige gesetzliche Grundlage ist in Paragraph 43, SGB V unter "Ergänzende Leistungen zur Rehabilitation" festgehalten: Dort heißt es, dass die Krankenkasse als ergänzende Leistung "wirksame und effiziente Patientenschulungsmaßnahmen für chronisch Kranke erbringen kann; Angehörige und ständige Betreuungspersonen sind einzubeziehen, wenn dies aus medizinischen Gründen erforderlich ist". Bezüglich einer Kostenübernahme des zum Erfolg der Schulung wünschenswerten Einsatzes eines Blutdruckselbstmessgerätes heißt es, dass „der Patient ... zur Selbstmessung geeignet sein, mit Erfolg den Gebrauch des Gerätes unter Anleitung des Arztes erlernt haben und in der Auswertung der Messergebnisse unterwiesen sein ... muss”.
Grundlage zur Durchführung des Programms in der Praxis des niedergelassenen Arztes (Allgemeinmediziner oder Internist) ist eine Gruppe optimalerweise von 4 Hochdruckkranken, die ärztlicherseits, besonders aber durch ausgebildete Arzthelfer/-innen unterwiesen werden. Vorgesehen sind mindestens 4 Zusammenkünfte von etwa 90 – 120 Minuten in ca. wöchentlichen Abständen. Nach dem jüngsten strukturierten Schulungsprogramm4,5 sind allerdings 8 Termine über jeweils 90 Minuten vorgesehen5.
Ziele und Durchführung der Schulungsprogramme
Hauptanliegen der Schulungsprogramme ist eine bessere Motivation zur Krankheitsbewältigung, wobei das Verständnis über Ursachen und Gefahren der Hypertonie genauso wichtig ist, wie die Möglichkeiten der Beeinflussbarkeit durch nicht-medikamentöse und medikamentöse Maßnahmen. Auch gilt es, häufige Begleitsituationen, wie weitere kardiovaskuläre Risikofaktoren (z. B. Übergewicht, Diabetes mellitus, Hyperlipoproteinämie, Bewegungsmangel und Rauchen) zu besprechen. Darüber hinaus spielt die Erläuterung verschiedener Blutdruckmessverfahren und die von den Teilnehmern zu erlernende und regelmäßig durchzufüh-
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rende Blutdruckselbstmessung eine wichtige Rolle. Aufgrund der patientenorientierten Schwerpunkte der Programme werden die Schulungen zu etwa 1/4 ärztlicherseits und zu 3/4 seitens der Helfer/innen durchgeführt.
Um eine einheitliche und strukturierte Durchführung der Programme in der ärztlichen Praxis sicher zu stellen, werden bei der Etablierung der o.g. DMP entsprechende Fortbildungsseminare durch akkreditierte ärztliche und nicht-ärztliche Trainer/-innen nach den Vorgaben der Programme angeboten. Die für die Durchführung in den Praxen notwendigen Unterrichtsmaterialien können über die jeweiligen Homepages bezogen werden:
www.patientenschulungsprogramme.de, www.ipm-aktuell.de und www.hypertonie-schulungsprogramm.de.
Erfolge der Schulungsprogramme
Eine Evaluierung der vorgenannten Programme ist durch die entsprechenden wissenschaftlichen Veröffentlichungen sichergestellt: Danach erfolgt z. B. eine Überprüfung des Erfolges nach 22,5 Wochen,3 sechs Monaten4,5 bzw. nach 1,5 und 3 Jahren1,2. Die Kollektive umfassten 90 – 272 auswertbare Patienten aus verschiedenen niedergelassenen Praxen. Zur Überprüfung des Erfolges wurde ein Vergleich der Ergebnisse vor Beginn und nach Beendigung des Schulungsprogrammes3,4,5 bzw. durch Vergleich einer Interventions- und Kontrollgruppe erreicht1, 2.
Im Durchschnitt ließ sich durch die erfolgreich absolvierten Schulungsprogramme eine Senkung der Blutdruckwerte um etwa 10 mm Hg systolisch und 5 mm Hg diastolisch erreichen. Wesentliche zusätzliche Erfolge betrafen eine Gewichtsreduktion bei Übergewichtigen, sowie eine Intensivierung des Bewegungstrainings. Erfreulicherweise konnte auch eine deutliche Zunahme der regelmäßigen Blutdruckselbstmessung, von z. B. 24 auf 83 % der teil-nehmenden Patienten, ebenso wie ein Zugewinn an Kenntnissen über den Bluthochdruck nachgewiesen werden. Bei dem mit 8-12 Teilnehmern intensiveren Programm4, 5 unterschieden sich die Ergebnisse nicht von denen der mit älteren Programmen durchgeführten Schulungen. Bedauerlich ist allerdings, dass trotz der strukturierten Schulungsprogramme die Zahl kontrollierter Hochdruckpatienten (< 140/90 mm Hg) bisher unzureichend blieb.
Zusammenfassend sollte die gesetzlich ausgeweitete Möglichkeit zur adäquaten Information aller Hochdruckkranker durch ein strukturiertes Behandlungs- und Schulungsprogramm genutzt werden: hängt doch das Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko gerade bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 und 2 sowie mit koronarer Herzkrankheit zu einem ganz wesentlichen Teil von einer erfolgreichen Blutdruckeinstellung ab.
Bernd Krönig, Trier |