Journal by FaxMANAGEMENT HYPERTONIE
JOURNAL BY FAX

Ein Projekt des Herz-Kreislauf-Telefons der Hochdruckliga
mit Unterstützung von Servier Deutschland GmbH

Wissenschaftlicher Beirat: G. Bönner, H.-D. Faulhaber, M. Middeke, R. Schmieder, P. Stolte

6. Jahrgang 2006; Nr. 15

Aktualisierung der Empfehlungen zur Behandlung der arteriellen Hypertonie
durch die Britische Hochdruckgesellschaft

In den meisten Leitlinien zur Behandlung der arteriellen Hypertonie werden Betablocker, Diuretika, Calciumantagonisten und ACE-Hemmer als mögliche Monotherapeutika eingestuft. Hierbei gelten in einigen Leitlinien Diuretika und Betablocker als Mittel der ersten Wahl. AT1-Blocker werden für Patienten empfohlen, die keine ACE-Hemmer vertragen.

In den letzten Jahren sind zahlreiche Studien zur Behandlung der arteriellen Hypertonie, besonders mit den neuen Substanzgruppen, abgeschlossen worden. Es handelt sich um Studien wie ASCOT, VALUE, LIFE, ANBP 2, PROGRESS und ALLHAT. In diesen Studien hat sich herausgestellt, dass die neueren Substanzgruppen in den empfohlenen Dosierungen potenter sind als die konservativen Diuretika und Betablocker. Dazu kommt eine bessere Verträglichkeit, weniger Stoffwechselprobleme, wie zum Beispiel eine reduzierte Diabetes-Inzidenz, und eine bessere Prävention von harten Endpunkten. So musste die ASCOT-Studie wegen einer erhöhten Gesamtmortalität der Patienten unter Betablocker und Diuretika im Vergleich zu Calciumantagonisten und ACE-Hemmern von der Ethikkommission abgebrochen werden. Generell erwies sich die Behandlung mit einem Betablocker (in den Studien überwiegend Atenolol) im Vergleich zu den neueren Antihypertensiva nicht so erfolgreich und protektiv wie vermutet (z B. LIFE-Studie).

Deshalb hat das National Institute for Health and Clinical Excellence (NICE) und die British Society of Hypertension (BSH) gemeinsam im Juni diesen Jahres eine Aktualisierung der Empfehlungen zur Behandlung der arteriellen Hypertonie publiziert.

Die wesentlichen neuen Aspekte lassen sich wie folgt beschreiben:

  • Für Patienten im Alter ab 55 Jahren und solche afrikanischer oder karibischer Abstammung sollte die initiale Therapie auf einem Diuretikum oder einem Calciumantagonisten beruhen.
  • Für Patienten im Alter unter 55 Jahren empfehlen sich zur Ersttherapie ACE-Hemmer oder AT1-Blocker bei ACE-Hemmer-Unverträglichkeit.
  • Die Zweierkombination sollte für Patienten aller Altersgruppen gleich aus einem ACE-Hemmer und einem Diuretikum oder einem ACE-Hemmer und einem Calciumantagonisten bestehen.
  • Als Dreierkombination bietet sich die Kombination von ACE-Hemmern, Diuretika und Calciumantagonisten an.
  • Betablocker werden nicht mehr routinemäßig als Therapeutika der ersten Wahl empfohlen. Sie sollten speziell der Mehrfachkombination vorbehalten sein und weiterhin bevorzugt bei Patienten mit spezifischen Indikationen wie KHK oder Herzinsuffizienz eingesetzt werden.
  • Patienten mit Betablockertherapie sollten in der Kombination statt eines Diuretikums eher einen Calciumantagonisten erhalten, um die Diabetesentwicklung nicht zu forcieren.

Die vorgestellte Aktualisierung der britischen Empfehlungen zur Hypertoniebehandlung ist vom Ansatz neu und könnte die Therapie der Hypertonie möglicherweise sogar ändern. Zumindest aber wird sie international heftige Diskussionen zur Hochdruckbehandlung auslösen. Wie sich die Deutsche Hochdruckliga und das IQWiG zu diesen Empfehlungen stellt, bleibt abzuwarten. Für den Praxisalltag ergeben sich aber bereits jetzt interessante Alternativen!

Gerd Bönner, Bad Krozingen

Literatur: 1. National Institute for Health and Clinical Excellence: Quick reference guide, Issue date: June 2006: Hypertension management of hypertension in adults in primary care. [Full text]
Rückfragen zu diesem Thema richten Sie bitte an die Fax-Nr. 089/57095-126.
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