Journal by Fax MANAGEMENT HYPERTONIE
JOURNAL BY FAX

Ein Projekt des Herz-Kreislauf-Telefons der Hochdruckliga
mit Unterstützung von Servier Deutschland GmbH

Wissenschaftlicher Beirat: G. Bönner, H.-D. Faulhaber, M. Middeke, R. Schmieder, P. Stolte

3. Jahrgang 2003; Nr. 03

Diagnostik und Therapie beim Phäochromozytom

Beim Phäochromozytom handelt es sich um einen meist gutartigen Tumor der Nebenniere und anderer extraadrenaler chromaffiner Gewebe (ca. 15 - 18 % d. F.), der überschießend Katecholamine wie Adrenalin und Noradrenalin, selten auch Dopamin, freisetzt. Es entsteht eine Hypertonie, die häufig krisenhaften Charakter hat. Viele der Patienten klagen über die Trias „Kopfschmerzen, Schweißausbrüche und Herzklopfen”, ohne dass dieser Befund spezifisch ist. Das klinische Erscheinungsbild kann sehr variabel sein, wobei u.a. eine orthostatische Hypotonie, Gesichtsblässe, „Nervosität”, Zittern, gastrointestinale und thorakale Beschwerden sowie Gewichts-verlust mit unterschiedlicher Häufigkeit beobachtet werden. Nach neueren Untersuchungen kommt der Tumor in fast ¼ d. F. im Rahmen (häufig noch unerkannter) familiärer Syndrome bei Mutationen bestimmter Gene vor1: von Hippel-Lindau-Syndrom (vHL-Tumor-Suppressor-Gen), multiple endokrine Neoplasie Typ 2 (RET-Onkogen), Glomustumore (SDHD- u. SDHB-Gen), Neurofibromatose Typ 1 (Neurofibromatose Typ 1-Gen). Unbehandelt führt ein Phäochromozytom durch intrazerebrale Blutungen oder andere Kreislaufkomplikationen meist zum Tode; andererseits sind die Therapieaussichten bei einem erkannten Phäochromozytom durch operative Entfernung des Tumors sehr gut mit einer Heilungsrate von über 90 %. Diese Tatsache unterstreicht die wichtige Bedeutung einer frühen Diagnose.
Die diagnostische Abklärung bei Verdacht auf Phäochromozytom konzentriert sich – neben dem klinischen Erscheinungsbild – auf den biochemischen Nachweis der erhöhten Katecholaminkonzentration bzw. deren Abbauprodukte im Plasma (Adrenalin, Noradrenalin) und/oder im Urin (Adrenalin, Noradrenalin, Metanephrin, Normetanephrin, Vanillinmandelsäure). Aufgrund der Verwendung verschiedener Analyseverfahren können die angegebenen Laborgrenzwerte variieren; die Bestimmung der Vanillinmandelsäure im Urin weist gegenüber den anderen Bestimmungsmethoden eine etwas geringere Sensitivität bei allerdings sehr hoher Spezifität auf. Zur Tumorlokalisation ist der Einsatz von bildgebenden Verfahren erforderlich. Seit einiger Zeit stehen auch molekulargenetische Methoden zur Verfügung, die Mutationen o.g. Gene identifizieren können. Bei folgender klinischer Konstellation sollte ein Phäochromozytom diagnostisch abgeklärt werden:

  1. bei krisenhaftem Bluthochdruck, besonders bei Vorliegen o.g. Symptome,
  2. bei „therapieresistentem” Bluthochdruck,
  3. bei allen Patienten mit nachgewiesenem Nebennierentumor (Inzidentalom),
  4. bei allen Patienten (auch normotensiven) aus Familien mit o.g. genetischen Syndromen.
Literatur: 1. Neumann HP, Bausch B, McWinney SR et al. (2002) Germ-line mutations in nonsyndromic pheochromocytoma. N Engl J Med 346(19): 1459–1466 [Pubmed Abstract] 2. Lenz T, Gossmann J, Schulte KL et al. (2002) Diagnosis of pheochromocytoma. Clin Lab 48(1-2): 5–18 [Pubmed Abstract] 3. Lenz T, Ross A, Schumm-Draeger P et al. (1998) Clonidine suppression test revisited. Blood Pressure 7(3): 153–159 [Pubmed Abstract] 4. Pacak K et al. (2001) Recent advances in genetics, diagnosis, localisation and treatment of pheochromocytoma. Ann Intern Med 134: 315–329 [Full text] 5. Lenders JWM, Pacak K, McClellan MW et al. (2002) Biochemical diagnosis of pheochromocytoma. Which test is best? JAMA 287(11): 1427–1434 [Abstract]
Bei Rückfragen oder Interesse an Literatur zu diesem Thema stehen wir Ihnen unter der Fax-Nr. 089/57095-126 gerne zur Verfügung.
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