Biofeedback bedeutet die Rückmeldung biologischer Signale von Körperfunktionen, die üblicherweise nicht der bewussten Wahrnehmung oder Steuerung zugänglich sind (z. B. Atmung, Hautwiderstand, Herzfrequenz, Blutdruck). Die Rückmeldung erfolgt optisch oder akustisch, kontinuierlich oder intermittierend. Biofeedback dient zur Erlangung einer tiefen Entspannung oder zur operanten Konditionierung.
Biofeedbacktechniken werden in der Hypertonie seit langem eingesetzt1,2,3. Die direkte Rückmeldung des Blutdrucks zur subjektiven Steuerung und Kontrolle war lange Zeit technisch nur unzureichend möglich. Bei der konventionellen indirekten Blutdruckmessung ist keine kontinuierliche beat-to-beat-Analyse und zeitgerechte Rückmeldung möglich. Hiermit ist eine Biofeedbackbehandlung nicht wirklich zu realisieren. Es wurden daher auch allgemein entspannende Verfahren wie respiratorisches Feedback zur Blutdrucksenkung eingesetzt1 die technisch wenig aufwendig sind. Ein direktes online-feedback des Blutdrucks mit einer kontinuierlichen beat-to-beat-Analyse und Rückmeldung ist mit neuerer Technik realisiert und wird erfolgreich eingesetzt3-6
 Abb. 1: Direktes online-Blutdruck-Biofeedback4 |
Die Blutdruckmessung erfolgt kontinuierlich, z. B. mit dem Finapres-Gerät (finger arterial blood pressure monitoring),
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über eine Fingermanschette. Die Blutdruckrückmeldung an den Patienten erfolgt aktuell direkt auf einem Monitor, als Blutdrucksäule (systolisch oder diastolisch) animiert. Dabei ändert sich die Blutdrucksäule farblich und in ihrer Höhe entsprechend dem aktuellen Blutdruckverhalten4.
Direktes online-Blutdruckbiofeedback in der Diagnostik und Therapie der Stress-induzierten Hypertonie:
Im diagnostischen Teil werden individuelle Stressoren detektiert und die begleitende Blutdruckreaktion erfasst. Dies geschieht in einer standardisierten, halbstündigen Sitzung. Der Blutdruck ändert sich sehr rasch analog zum Gesprächsinhalt: bei unangenehmen Themen (aktuelle Probleme, Traumata, Stresssituationen usw.) steigt der Blutdruck oft sehr stark an, bei angenehmen Inhalten und während einer Entspannung fällt der Blutdruck gewöhnlich ab. Die Blutdruckreaktion auf psychosoziale und emotionale Stressoren kann für den Patienten sehr anschaulich verglichen werden, z. B. mit der Belastungsreaktion während einer Ergometrie oder mit dem Blutdruckverhalten in der ABDM. Der Hochdruckpatient erlebt so den direkten Zusammenhang zwischen Kognition, innerem Stresserleben und seiner Blutdruckreaktion. Dies ist für den Beteiligten meist eine tiefgreifende Erkenntnis. Die Rückmeldung des Blutdrucks kann in dieser Form als Detektor für eine zugrunde liegende Kernproblematik eingesetzt werden. Nach Herausarbeitung der psychologischen und sozialen Ursachen (Beruf, Familie, Partnerschaft, Einsamkeit usw.) kann der Therapeut direkt daran arbeiten und den Erfolg am Blutdruckverhalten in weiteren Sitzungen online beobachten.
In den weiteren Sitzungen lernt der Patient, nach entsprechender Einweisung durch Entspannung und kognitive Umstrukturierung, seinen Blutdruck zu senken.
Martin Middeke, München |