MANAGEMENT HYPERTONIE| Wissenschaftlicher Beirat: G. Bönner, H.-D. Faulhaber, M. Middeke, R. Schmieder, P. Stolte |
6. Jahrgang 2006; Nr. 6 |
| Rolle der Ernährung in der nicht-medikamentösen Therapie der arteriellen Hypertonie (1) |
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Veränderungen der Ernährung beeinflussen den Blutdruck in unterschiedlicher Weise. Als bewiesen kann angenommen werden, dass die Reduktion eines vorhandenen Übergewichts durch Verminderung der Energiezufuhr, ein verringerter Kochsalzverbrauch, die Senkung eines übermäßigen Alkoholkonsums und eine komplexe Ernährungsumstellung im Sinne der so genannten „DASH-Diät” den Blutdruck senken. Bei übergewichtigen Hypertonikern ist die Gewichtsreduktion die wichtigste therapeutische Maßnahme. Entscheidend für die Wirksamkeit ist das Erreichen einer konstanten Gewichtsverminderung bzw. –normalisierung, da durch eine erneute Gewichtszunahme auch der blutdrucksenkende Effekt verloren geht. Die Kombination mit einer Erhöhung der körperlichen Aktivität ist einer der wirksamsten Faktoren, um den Wiederanstieg des Gewichts zu vermeiden. Leider waren präventive bevölkerungsorientierte Strategien in der Beeinflussung des Körpergewichts bisher am wenigsten erfolgreich. Untersuchungen, die in Deutschland und weiteren europäischen Ländern durchgeführt wurden, ergaben eine Zunahme des durchschnittlichen Körpergewichts, obwohl andere kardiovaskuläre Risikofaktoren eine günstige Entwicklung zeigten. Eine Veränderung dieses unbefriedigenden Trends ist eine der wichtigsten Maßnahmen in der primären Prävention der Hypertonie. Allgemein akzeptiert ist, dass eine übermäßige Kochsalzzufuhr den Blutdruck erhöhen kann und zur Zunahme der Hypertonieprävalenz führt. Ebenso kann als bewiesen angesehen werden, dass bei hypertensiven |
Patienten durch die Reduktion der Kochsalzaufnahme der Blutdruck gesenkt und die Wirksamkeit einer antihypertensiven Medikation erhöht wird. Der Grad der Blutdrucksenkung ist dosisabhängig, aber auch individuell unterschiedlich, was mit dem Phänomen der Kochsalzsensitivität erklärt werden kann. Leider ist nach wie vor die – zum Teil genetisch bedingte – Kochsalzsensitivität nicht durch einen einfachen Test diagnostizierbar. Übereinstimmend wird in europäischen und amerikanischen Leitlinien3 für die nicht-medikamentöse Therapie und die Prävention der Hypertonie eine Beschränkung der täglichen Kochsalzzufuhr auf < 6 g (ca. 100 mmol Natrium/d) empfohlen. Im oben zitierten AHA-Statement wird angenommen, dass > 75 % der Kochsalzzufuhr aus Fertigprodukten und Konserven stammen. Die Hersteller solcher Produkte werden aufgefordert, den Kochsalzzusatz in den nächsten zehn Jahren um 50 % zu senken. Mit der DASH-Studie4 wurde nachgewiesen, dass durch eine komplexe Diätumstellung der Blutdruck gesenkt werden kann. Die DASH-Diät bedeutet bevorzugten Verzehr von Gemüse und Obst, Verwendung fettarmer Produkte, Vollkornspeisen, Geflügel, Fisch und Nüssen sowie die Vermeidung von gesättigten Fetten, ‚rotem’ Fleisch, Süßigkeiten und zuckerhaltigen Getränken. Sie entspricht also einer Anreicherung der Ernährung mit Kalium, Magnesium, Ballaststoffen und ungesättigten Fettsäuren sowie einer leichten Zunahme des Proteinanteils. Die Zufuhr von gesättigten Fetten und von Cholesterol wird reduziert. Der blutdrucksenkende Effekt war bei Hypertonikern am stärksten, aber auch bei normotensiven Personen nachweisbar. Es handelt sich offensichtlich um einen Summationseffekt mehrerer blutdrucksenkender Faktoren, die in Teil 2 ausführlicher behandelt werden. H.-D. Faulhaber, Berlin |
| Literatur: 1 Appel LJ et al. (2006) Dietary approaches to prevent and treat hypertension. A scientific statement from the American Heart Association. Hypertension 47: 296-308 [Full text] 2 Dickinson HO et al. (2006) Lifestyle interventions to reduce raised blood pressure: systematic review of randomized controlled trials. J Hypertension 24: 215-233 [Abstract] 3 Guidelines Committee. 2003 European Society of Hypertension - European Society of Cardiology. (2003) Guidelines for the management of arterial hypertension. J Hypertension 21: 1011-1053 [Full text] 4 Appel LJ et al. (1997) A clinical trial of the effects of dietary patterns on blood pressure: DASH Collaborative Research Group. N Engl J Med 336: 1117-1124 [Abstract] |
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