Eine arterielle Hypertonie ist eine häufige Folgeer-krankung eines obstruktiven Schlaf-Apnoe-Syndroms. Charakteristisch ist die häufig zu beobachtende nächtliche Blutdruckerhöhung, die früh in der Nacht beginnt und dann kontinuierlich bis zum Aufwachen ansteigt. Als Ursache wird eine Stimulation des sympathischen Nervensystems angesehen, die an den erhöhten Plasmakonzentrationen der Katecho-lamine gemessen werden kann. Eine Beseitigung des obstruktiven Schlaf-Apnoe-Syndroms kann in kurzer Zeit zu einer Absenkung oder auch Normalisierung des erhöhten Blutdrucks führen.
Zur Therapie des obstruktiven Schlaf-Apnoe-Syndroms stehen verschiedene Strategien zur Verfügung. So wurde früher der Einsatz von Theophyllin zur erhöhten Ansprechbarkeit des Atemzentrums diskutiert. In Einzelfällen wird heute noch das Lagetraining, zum Beispiel mit in eine Jacke eingenähten Tennisbällen, vorgeschlagen. Auch oro-pharyngeale Eingriffe oder mechanische Hilfe zur Vorverlagerung des Zungengrundes werden dem Patienten angeboten. Alle diese Verfahren vermögen die Zahl der Hypo-/Apnoen pro Stunde zu senken, doch selten sind sie in der Lage, das Apnoe-Syndrom langfristig ganz zu beseitigen. Die nasale Einstellung eines kontinuierlichen positiven Druckes in den Atemwegen (nCPAP) ist die zuverlässigste Möglichkeit, das Apnoe-Syndrom erfolgreich zu behandeln. Die Einstellung des positiven Druckes in den Atemwegen muss genau erfolgen und regelmäßig kontrolliert werden, wie die Untersuchung der Marburger Arbeitsgruppe um H. Peter in der letztlich publizierten Studie zeigte:
Sie untersuchten randomisiert an 32 Patienten mit ausgeprägtem obstruktiven Schlaf-Apnoe-Syndromüber 9 Wochen den Effekt einer strengen nCPAP-Therapie (tT) im Vergleich zu einer subthera-peutischen Behandlung (sT). Der Apnoe-/Hypopnoe-Index wurde dementsprechend in der tT-Gruppe von 62,5 auf 3,4 n/h gesenkt, in der sT-Gruppe nur von 65,0 auf 33,4 n/h. Sauerstoffentsättigungen unter 90 % gingen in der tT-Gruppe von 33,6 auf 1,1 % der Schlafzeit zurück, in der sT-Gruppe von 36,2 auf
19,8 % der Schlafzeit. Der Blutdruck sank in der tT-Gruppe signifikant von 140/86 mm Hg auf 132/76 mm Hg (Tagesmittelwert-TMW) beziehungsweise von 130/79 mm Hg auf 119/70 mm Hg (Nachtmittelwert-NMW). In der sT-Gruppe konnte trotz einer Halbierung der Apnoeereignisse keine Senkung des Blutdruckes beobachtet werden (TMW: 141/85 vs. 143/86 mm Hg; NMW: 129/75 vs. 130/77 mm Hg). Die Autoren folgern aus ihren Daten, dass ein obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom streng und langfristig konsequent therapiert werden muss. Denn nur so kann die hiermit verbundene Blutdruckerh öhung beseitigt und das gesteigerte kardiovaskul äre Risiko der Patienten erniedrigt werden.
Neben diesen positiven Effekten bewirkt eine Behandlung des obstruktiven Schlaf-Apnoe-Syndroms auch eine rasche Besserung der Lebensqualität. De Zeeuw et al. zeigten, dass Patienten, die dauerhaft über durchschnittlich 1,5 Jahre eine erfolgreiche nCPAP-Therapie durchführten, deutlich bezüglich ihrer Lebensqualität profitierten. Im „Nottingham Health Profile” verbesserten sich die Patienten in folgenden Dimensionen signifikant: Energieverlust von 44 auf 25 Punkte; emotionale Reaktion von 25 auf 12 Punkte und Schlafprobleme von 32 auf 21 Punkte. Die visuelle Analogskala Lebensqualit ät stieg von 56 auf 67 Punkte signifikant an. Bei Vergleichspatienten, die ihre nCPAP-Therapie in der Messperiode abbrachen, konnte keine Verbesserung dieser Parameter beobachtet werden.
Die beiden neueren Publikationen zeigen eindrucksvoll, dass ein obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom erkannt und konsequent behandelt werden muss. Die nCPAP-Therapie steht aufgrund ihrer hohen Effizienz ganz im Vordergrund der Maßnahmen. Andere Therapieprinzipien sind eventuell für einzelne Patienten geeignet, dürfen aber nur zum langfristigen Einsatz kommen, wenn eine vollständige Beseitigung des obstruktiven Schlaf-Apnoe-Syndroms gesichert ist. Der Patient profitiert von einer solch konsequenten Behandlung durch eine Senkung seines kardiovaskulären Risikos und eine Steigerung seiner Lebensqualität.
Gerd Bönner, Bad Krozingen
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| Literatur: 1. Becker HF, Jerrentrup A, Ploch T, et al. (2003) Effect of nasal continuous positive airway pressure treatment on blood pressure in patients with obstructive sleep apnoe. Circulation 107(1): 68–73 [ Abstract ]
2. de Zeeuw J, Baberg HT, Kempkens DJ, et al. (2003) Verbesserung der gesundheitsspezifischen Lebensqualität unter CPAP-Therapie bei Patienten mit obstruktivem Schlafapnoesyndrom. Med Klin 98(4): 181–187 [ Pubmed Abstract ] |