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Der Bremslichtschalter

Der Buddhismus lehrt. daß man kleine Dinge nicht geringschätzen soll.
Pumuckls Erklärung dazu:
Kleine Dinge können sehr viel Ärger machen. Vieles deutet sogar darauf hin, daß die mögliche Menge des Ärgers im umgekehrten Verhältnis zur Größe des Dinges steht.
Im Juni 1992 kaufte ich mir eine MZ 500 tour und ließ mir gleich beim Händler meinen alten Super Elastik, den ich schon fünf Jahre mit meiner ETZ 250 durch die Lande geschaukelt hatte, dranbauen. Im Herbst 93 hatte ich die Dummheit besessen, dieses Gespann im Anschluß an eine Vollbremsung auf den Kopf zu stellen. Dabei gingen nicht nur die Rückspiegel kaputt. So ungefähr das halbe Gefährt war in Trümmern. Aber ich bin ja Optimist; die Hälfte davon war ja noch zu gebrauchen. Und so entschloß ich mich, aus dem Trümmerhaufen wieder ein fahrbares Gespann zu machen. Hätte ich damals geahnt, was da auf mich zukommt und wie lange sich das alles hinzieht (Mitte Juni 96 war es endlich fahrbereit und geTÜVt.), wäre ich wahrscheinlich zum Pessimismus konvertiert, hätte die Ruine in die Tonne gekloppt und mir was Anderes zugelegt. Aber hinterher...
Anzumerken wäre noch, daß ich selbst wesentlich glimpflicher davongekommen bin als mein Fahrzeug. Ich durfte mit einigen, teils heftigen, Prellungen und einem gnädigen Schock nach Hause, wohingegen mein Gespann ein Fall für die Intensivstation war, Andere sprachen auch von Totengräber.
Die Wiederaufbauzeit mit ihren Ersatzteilbesorgungen, Schraubereien und Improvisationen hat Stoff für einige SPIStories geliefert. Eine davon will ich jetzt zum Besten geben.
Wie bereits erwähnt sind nicht nur die Rückspiegel kaputtgegangen, sondern auch die Bremsarmatur, die an dem rechten Spiegel hing. Nun sollte man meinen, zumindest so ein verborgenes Teil wie der Bremslichtschalter habe die Katastrophe heil überstanden. Weit gefehlt. Durch einen Schlag auf den Bremshebel wurde die Gewindehülse eingedrückt und so der Schaltstift, der darin läuft, blockiert. Ich kaufte mir also auch dieses Teil neu. Doch ich hatte nicht lange Freude daran. Beim Einschrauben in die ebenfalls neue Bremsarmatur muß mein Fingerspitzengefühl wohl gerade Pause gemacht haben. Es machte Knack und ich hatte einen zweiten kaputten Schalter.
Und, wo reißt sowas? Natürlich da, wo nichts mehr zu retten ist. Der nächste Schalter wurde eingebaut. Diesmal, mangels Auswahl, ein etwas längerer aus ETZ-Tagen, der noch so ekelhaft rausragt.
Irgendwann später im Laufe der weiteren Schraubereien stieß ich mal etwas unsanft an den Lenker - ratet mal an welcher Stelle! Es machte Knack und ich hatte einen dritten kaputten Schalter. Und wieder einmal MZ - Mächtigen Zorn.
In einer ruhigen Stunde, also erheblich später, nahm ich mir noch einmal meine Schrottschaltersammlung vor. Die Abgebrochenen waren auch mit Stabilit nicht mehr zu retten, der andere ließ hoffen. So spannte ich einen Fräser in das Futter meiner Minibohrmaschine und fräste vorsichtig das verdrückte Material weg, bis der Schaltstift wieder von alleine herauskonnte. Ein paarmal Probieren bestätigte, daß der Stift wieder frei war. Warum habe ich das nicht eher versucht?
Nochmals erheblich später, diesmal beim Lichtertest anläßlich der bevorstehenden TÜV-Untersuchung, mußte ich feststellen, daß der zurechtgefräste Schalter nicht funktionieren wollte. Dann waren es also innere Verletzungen, die ihm den Rest gegeben haben.
Langsam wurde die Zeit knapp. Da ging mir durch den Kopf, daß irgendwo in einer der hintersten Ecken meines Kellers - und mein Keller hat viele hinterste Ecken - noch eine Bremsarmatur von einer Unfall-ETZ rumliegen mußte, da war doch wohl noch ein Schalter dran? Oder nicht? Nachgucken!
Nun ist in meinem Keller "hinterste Ecke" keine Ortsbestimmung im herkömmlichen Sinne. Es kreist um die Frage: Wieviel muß ich zur Seite räumen, damit ich an diesen oder jenen Gegenstand herankomme?
Endlich hielt ich die schrottige Baugruppe in den Händen. Ein Schalter war noch dran, aber die Kontaktlaschen für die Stecker waren abgebrochen - alle beide, einschließlich des Plastiksteges, der einen möglichen Kurzschluß durch zusammendrücken der Laschen verhindern soll. Trotzdem schraubte ich den Schalter heraus und der Rest verschwand wieder in seiner hintersten Ecke.
Der Schalter war wenigstens gängig, nichts verbogen, nichts verklemmt, nur die Stecklaschen fehlten. Von meinen nun vier kaputten Schaltern schien mir dieser hier am wenigsten kaputt. Doch irgendwie hatte ich keine Lust.
Beim ortsansässigen MZ-Händler Kurz&Klein war kein passender Schalter aufzutreiben, weder 500er Bj. 92 noch ETZ. Beide haben die gleiche Bremsarmatur, nur der 500er-Schalter ist kompakter. Auf meinem Frustkonto standen nun zusätzlich eine Stunde Straßenbahnfahrt plus 4,90 DM Fahrtkosten und wieder MZ Mühe Zwecklos.
Nun saß ich wieder am heimischen Tisch mit den vier Schaltern vor mir. Ein trauriger Anblick. Der vierte Schalter ließ mir keine Ruhe. Zunächst mußte ich ihn irgendwie ausprobieren. Ich nahm zwei Stecknadeln, klemmte sie jeweils zwischen Kontaktstumpf und umgebendes Plastik. An diese Nadeln klemmte ich Prüfkabel. Eine Lampe und ein Modellbahntrafo ergänzten den Prüfaufbau. Der große Augenblick - es funktioniert!
Ein Griff ins Werkzeuglager förderte Laubsäge, Lötkolben, Nadelfeilen und Stabilit ans Tageslicht. Mit der Laubsäge sägte ich direkt neben den Kontakten Furchen ins Plstik. Dann nahm ich den am meisten beschädigten Schalter und entfernte das Plastik um die Steckerlaschen, damit ich diese schön tief abtrennen konnte. Diese Laschen paßten in die Furchen neben den Kontaktstümpfen des anderen Schalters. Dort wurden sie nun angelötet. Ein weiterer Test ... der Schalter funktionierte immer noch. Der ausgeschlachtete Schalter mußte auch noch seinen Kunststoffsteg hergeben. Der kam mit Sekundenkleber zwischen die angelöteten Laschen. Abschließend wurden Löt- und Klebestellen mit Stabilit eingepackt um alles abzustützen. Ein abschließender Test ... der Schalter funktionierte immer noch. Er funktionierte auch noch nach voooorsichtigem Einbau ins Fahrzeug. Er tat auch beim TÜV brav seinen Dienst und hat mir bis jetzt noch immer nicht den Dienst quittiert.
Pumuckl