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Du spinnst ja...

..., das war alles, was meinem Chef, einem schräglagensüchtigen Ducatisti, zu meiner geplanten Tour einfiel. Und jetzt siehts aus, als ob er Recht behalten sollte; der "Saurier GS" hängt bis zu den Zylindern in einer Schneewehe; auf einem Pass, in der Zentralschweiz, auf einem Pass, der auf keiner Karte verzeichnet ist und die dem Holgi von einer Mountainbike fahrenden Kollegin als "ächt subrr" empfohlen wurde, mit einem Seitenblick auf dessen Husky. Dabei hatte es so harmlos begonnen ...
Nachdem ich am Sonntag Abend erfahren hatte, daß ich die darauf folgenden beiden Tage tatsächlich mal am Stück frei habe; der Wetterbericht verhieß gutes, also beschloß ich, Freund und Kollege Holgi an dessen neuer Stelle in der Zentralschweiz den lang angekündigten Besuch abzustatten. Also ab nach Hause, Karre nochmal abgecheckt, Schlafsack, Fodoabberad und Krimskram aufgepackt.
Montag morgen, halb sieben war Abflug, gings los. München, dann ab auf die Landstraßen-Autobahn-Kombi Richtung Lindau. An den schlafende-Autofahrer-und-Laster Kolonnen surften wir auf der Dritter-Gang-Drehmomentwelle locker vorbei, das prognostizierte Schönwetterhoch wehte kräftig von Süden, was auch auf Geraden lustige Schräglagen ermöglichte. Beim ersten Tankstopp war ich noch angenehm vom moderaten Verbrauch, weniger von der schwitzenden Zylinderkopfdichtung überrascht. Also mit Drehzahlen geizen, aber umgekehrt wird nicht mehr. Um die wenige Kohle zu sparen wollte ich in der Schweiz auf Landstraßen bleiben und auf die Vignette verzichten. Bregenz, St.Galen, dann hakte es das erste Mal. In Rapperswil hatte ich dann das helvetische System einigermaßen kapiert. Solange das Ziel auf keinem Schild steht, geradeaus weiter. Zug, Cham, Luzern, und dann kams' nochmal dick. Seit zehn Kilometern hatte ich nichts mehr von Stams gelesen, und die Sonne geht hier wohl auch im Süden unter? Ich zerrte meine, intelligenterweise gaanz unten im Tankrucksack deponierte, gut gebrauchte Karte raus und fand mich prompt eine dreiviertel Stunde später am Ziel: Engelberg, Kleinod des Schweizer Fremdenverkehrs! Das Hotel war schnell gefunden, an den Kasten hätt'ich mich nie rangetraut, wenn, ja, wenn nicht Holgers Zwiebackfräse hier geparkt hätte! Nach Begrüßungstanz, einer Dusche und ausgedehnten Benzingesprächen rollten wir uns in die Ruhestätten. Am nächsten Morgen begaben wir uns ins Cafe gegenüber, um bei Kaffi und Gipfeli Tourenpläne zu schmieden.
Und jetzt hängt der Kardanbomber also hier in der weißen Pracht. Alle Versuche, sich mit der Auspuffkaskade den Weg frei zu schmelzen, schlagen fehl. Holgi schaut mich von seinem Hochsitz herab mitleidig an. Es hilft nix, nachdem ich auf diesem Gerät noch nach Hause fahren will, ist Rückzug angesagt. Wir nehmen Kurs auf den Grimsel, um gleich nach dem Brünigpass festzustellen, das der und der Sustenpass noch mit Wintersperre belegt sind. Tststs, und das Mitte März! Können die denn Ihre Pässe nicht früher klar machen? Na ja, wir setzen die Segel Richtung Brienzer See und Interlaken, wo wir uns bei frühlingshaften Temperaturen ein Picknick organisieren, was für zwei Köche kein Problem ist, und ihm vor der prächtigen Kulisse von Jungfrau, Mönch und Titlis, den stimmungsvollen Garaus machen. Zurück in Engelberg fällt mir dann irgendwie ein, daß ich ja am nächsten Tag arbeiten sollte. Nachdem ich nach grobem überschlagen der Fahrzeit auf halb vier Ankunft komme, ohne Pausen, Tanken, P .... beschließe ich, mir doch eine Vignette zu leisten. Um Sieben Uhr rolle ich aus der Engelberger Tankstelle auf den Heimweg.
Die Rückfahrt geht recht unspektakulär vonstatten; in der Schweiz unspektakulär zügig, achthundert Meter nach der Deutschen Grenze macht mir im einsetzenden Regen der erste Laster die Tür zu. Willkommen zu Haus, Junge! Ich stürze mich also die letzten vierhundert Kilometer von einer Lastwagengischt zur nächsten, das stabile Hoch beginnt wieder nett und feucht von der Seite zu pusten und ich versuche einfach nur noch, gesund die heimische Garage zu erreichen. Du hängst wie ein Sack am Lenker, unter dir brüllt ein Tausender Reihenvierer wüste Lieder in die Nacht, und die Gabel versucht, die anstürmende Autobahn unter der Kiste durchzuprügeln. Sowas übersteht man wirklich nur in dem Trance-Ähnlichen Zustand, der einen nach zwei Stunden Fahrt unter diesen Umstäden ereilt. Weil der Herrgott aber mit den Kindern und den Irren ist, rolle ich nachts um zwölf auf den heimischen Hof.
Fazit: Ich kann mir jetzt im stehn' die Schuhbänder binden (keine Verkleidung!), der Ablick meiner Mühle wird mich zu einem zweitägigem Putzgroßangriff hinreissen und zu guter letzt wird mir übermorgen der Ar ... schon fast nicht mehr weh tun. Sowas macht also einer, der nun wirklich schon viel Motorrad gefahren ist und doch relativ fest im Leben steht. Ich nehm an, ihr könnt mir auch nicht sagen, warum?
Herbert B. aus S.
P.S.: Alte Suzuki Zvko-Dichtungen sind selbstheilend, echt!