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Nummer 3: Der STRESS-PRESS-Joumalistenpreis, ausgeschrieben zum 20jähtigen Bestehen der Zeitschrift, war gestaffelt. J. Free Bee (Jürgen Fieberger) stieg auf das höchste Treppchen, Uli Böckmann erklomm den 2. Platz.
Heute stellen wir den Beitrag von Andreas Amoser (alias Ambrosius) vor, Chefredakteur des österreichischen Motorradmagazins "Der Reitwagen", der auf Platz drei landete. Allerdings beschränken wir uns beim Abdruck auf die "Story hinter der Story", die Beschreibung des Testfahrers einer Honda CBR 900 RR.
Zur Pokalübergabe beim Lesertreffen im Oktober '96 in Wolfsburg war keiner der Preisträger angereist, sie trauten sich wohl nicht. Doch auch auf unsere Ankündigung, Pokal und Urkunden persönlich nach Preßbaum bei Wien zu bringen, blieb "Der Reitwagen" sprachlos. Wir dokumentieren daher nach Ambrosius' preisgekröntem Beitrag unser Schreiben an die österreichischen Preisträger
Hans aus Großsachsen
Honda CBR 900 RR, Bj. 96
Nächste Generation
Hasegawa-San ist von kleiner Statur, aber er trägt das Merkmal des Honda-Werksfahrers. Es ist dieser ausgeprägte Unterkiefer, der dem Gesichtsausdruck den Ingrimm versäumter Bremspunkte verleiht.
Die Schleifspuren am Leder von Hasegawa-San bereiten mir erhebliches Kopfzerbrechen. Es ist ein mannigfaltiges Muster über alle Körperteile und Himmelsrichtungen. Es ist die Allegorie einer kartographierten, von Wadis durchzogenen Wüstenlandschaft. Man erkennt breite, schmale, tiefe, flache, gerade und gebogene Schleifspuren.
Ein Dutzend neue, penibel polierte 900er und ein Werksfahrer wie aus dem Sarajevo Escape Run. Kann es sein, daß Hasegawa-San mit einer 900er gestürzt ist? Das ist wohl anzunehmen, denn bei so viel Aufwand und Glanz hätte man ihm vor der Präsentation mit Sicherheit ein neues Leder besorgt. Also muß Hasegawa-San mit einer 900er gestürzt sein.
Angesichts der Schleifspuren ist es allerdings fast unmöglich, daß Hasegawa-San nur einmal gestürzt ist. Wäre es nur ein Sturz gewesen, so hätte Hasegawa-San wie ein Gummiball hüpfen müssen, um diese variantenreichen Muster auf sein Leder zu gravieren. Also muß Hasegawa-San mehrfach gestürzt sein. Das heißt, daß irgendwo in den Garagen ein 900erFriedhof verborgen ist.
Ich habe den 900er-Fhedhof nicht gefunden. Dafür hat man mir mitgeteilt, daß es da draussen auf der Strecke sehr rutschig ist und daß es bereits einige Verluste gegeben hat. "Hehe", denke ich mir beim Rausfahren, "das der Uraltschmäh, um die Leute zu verunsichern." In der ersten Ecke weiß ich, daß er einmal mehr gewirkt hat. Sehr ärgerlich, denn vor mir fährt Hasegawa-San einen neuen Reifensatz ein.
Ich will nicht überholen, aber Hasegawa-San setzt demonstrativ den Blinker. Ich trete die Flucht nach vorne an und hoffe auf die Gunst der nahen Boxenstraße.
Vor der Boxeneinfahrt ist im Rückspiegel kein Verfolgerzu erkennen. Hasegawa-San scheint sich doch länger mit dem Einfahren der Reifen aufzuhalten. Ich entschließe mich zu einer weiteren Runde.
Hasegawa-San materialisiert sich ohne Vorwamung in meinem Rückspiegel. Sein Fahrstil läßt den Verdacht des CBR-Friedhofs Gewißheit werden. Mit dem eiligen Aufrücken ermahnt er mich zu präziserer Fahrweise. In der nächsten Ecke steht meine CBR quer zur Fahrtrichtung. Spanien ist ein schönes Land.
Verzweifelt versuche ich, wieder auf die Fußrasten zu kommen. Die Landung am Tank war atemberaubend. Was den Schmerz betrifft. Aber da ist noch Asphalt unter den Reifen. Demütig warte ich auf die Vorbeifahrt.
Aber Hasegawa-San versagt mir die letzte Ehre. Er läßt sich zurückfallen, gibt mir zu verstehen, daß ich nicht würdig bin, überholt zu werden. Hol's der Teufel. Nächstes Mal bearbeite ich mein Leder mit der Flex und stolziere nur noch in der Boxenstraße auf und ab.
Ambrosius