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Schmiermaxe

Schon mal so 'ne richtige Tour im Beiwagen mitgefahren? Dieses Vergnügen hatte ich bislang noch nicht genossen, aber immer gerne mal gewollt.Ich bin auch schon mal selbst gefahren, aber immer nur ein paar Meter und bei der let7-ten Testfahrt habe ich denn auch glatt fast mein eigenes Zeit übergemangelt.Irgendwie sind mir die Reaktionen suspekt, Kurven fahren ohne Seitenneigung und dann noch dieses Ziehen nach rechts oder links beim Beschleunigen und Bremsen, da ist der Dreiradvirus einfach (noch?) nicht übergesprungen.Selbst ein Gespann kaufen will ich mir also nicht, erstens steigt mein Weib garantiert nicht bei mir ein und ich wohl auch nicht bei ihr, und zweitens sind meine Gespanninstinkte wohl nicht so dolle (s.o.), da fahren wir lieber weiter Solo und das braucht dann auch nicht soviel Stellplatz.
Andererseits hatten mich aber schon diverse Leute vom Stammtisch mal kurz mitgenommen und mir hatte die Sache 100%ig gefallen.So kam dann die Einladung zum 3. Eisbrechertreffen nach Brakei - Gehrden und ich machte mich auf die Suche nach einem geeigneten Opfer, bei dem ich mitfahren könnte.Um es kurz zu machen, Hubsi ist reingefallen und hatte mich prompt am Hals.Der gute Mann hat eine Sachsen-Harley, die er regelmäßig tankt und mal mit dem Gartenschlauch bespritzt, ansonsten macht der Kerl NICHTS an der Karre, kurzum, ein wohlgewartetes Fahrzeug stand zur Verfügung und damit ideale Bedingungen für eine schöne Wintertour zu zweit über hin und zurück je etwa 200 km.Unser Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Maschine war praktisch grenzenlos, zumal man in der SPI ja eigentlich nie von Pannen bei diesem ostdeutschen Qualitätsfabrikat hört.Jedenfalls schrauben die MZ - Treiber auch nicht mehr als die von Gummikühen, mich selbst eingeschlossen, erst seit ich BMW fahre, bin ich unter die Schrauber geraten (Oh Gott, ich habe mein Nest beschmutzt)... Vorsichtshalber hatten wir uns aber auf eine Notverpflegung und einen Campingaufenthalt auf dem Pannenstreifen eingestellt, man weiß ja nie ob Erich H. nicht immer noch ein bißchen böse auf uns Wessis ist und aus dem realen Sozialistenhimmel auf uns herabflucht und vielleicht den Kupferwurm schickt oder so 'nen Zonenkugellager brechen läßt.
So kam es, wie es kommen mußte, Samstags mittags kam Hubsi zu mir nach Dülmen, mein kleiner Gepäcksack (70 l) und ich enterten das Gespann unter Vernichtung aller Restfederwege.Meine Angetraute erklärte uns beide für verrückt und zog sich fröstelnd in unser wohlgeheiztes Heim zurück, Hubsi gab den 22 Pferden Saures und schon ging die Gokartfahrt los.Den Reisebericht durch Westfalen spare ich mir hier an dieser Stelle, nur kurz erwähnen möchte ich noch unsere leichte Orientierungslosigkeit und die prekäre Spritsituation auf der Hinfahrt, dafür aber die astreine Rückfahrt durch eine wundervolle Wintehandschaft auf allerkleinsten Straßen am Sonntag, so daß wir für die jeweils etwa 200 km ungefähr fünf Stunden gebraucht haben.Im Übrigen ist es in so 'nem Superelastik im Winter tatsächlich schweinekalt und zugig und stinken tut's nach Abgasen, daß einem fast schlecht wird, da kann man besser Solo fahren.Alles in allem war diese Tour im Beiwagen eine meiner schönsten Motorradtouren der letzten Zeit, auch das Treffen der Motorradfreunde Paderborn war ganz nett. Die Emme hat tapfer durchgehalten und Hubsi konnte schon drei Tage später wieder mit ersten Bewegungen der verspannten Arme beginnen, irgendwie mußte der Bursche immer so kräftig am Lenker ziehen.
Nicht bestätigen kann ich den Artikel über's Gespannfahren und insbesondere das Kippen über die dazugehörigen Linien aus Srl Nr. 77 (4/96), mit meinen 120 kg Schlachtgewicht habe ich das Boot satt am Boden gehalten, die Kiste steigt garantiert nicht, auch schienen mir die erreichbaren Geschwindigkeiten mit ca. 90 km/h nicht zu hoch, manchmal, so z.B. am Berg, hätten einige PS mehr auch nicht geschadet, von Dynamik keine Rede......
Molto Grazie noch mal an Hubsi, bei Dir hab ich echt in der ersten Reihe gesessen.
Bis bald, irgendwo, irgendwann.......
Benno aus Dülmen