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Gespanntreffen Stuttgart Nov. 96
Ich schreibe keine Treffenberichte. Über dieses Treffen schon gar nicht, weil man über gute
Treffen nix schreiben muss, man schreibt nur über nicht so gute, wo man was meckem kann.
Also schreibe ich nicht übers Treffen, sondem über mich und den AMSC Leonberg, den
ausrichtenden Club, bei dem ich einen Sonderstatus genieße, alldieweil ich mit einigen Leuten
aus dem Club seit fast zwanzig Jahren befreundet bin.
Aufgrund dieses Sonderstatus' bekam ich eine Exclusivführung durch's Clubhaus. Wo gibt's das
sonst, daß das alte Zielrichter- und Zeitnehmergebäude, ein ovaler, an einer alten Rennstrecke, in
diesem Fall der Solitude, vom ADAC einem Motorradclub kostenlos zur Nutzung überlassen
wird? Dieser Motorradclub hat sich die Innereien entsprechend eingerichtet mit Duschen,
Scheißhäusern (deren Kapazität allerdings beim Treffen überfordert wurde - ich habe hart mit
mir gerungen, diese Anmerkung zu unterlassen, es ging nicht), Werkstatt, Aufenthaltsräumen,
Küche, Bar, halt alles was'd brauchst um als Motorradfahrer geselliges Beisammensein zu
pflegen. Für die Kinder gibt's einen Spielplatz, ein Spielhaus, mehrere Kindermotorräder,
Da ich mich im Herbst 96 dazu entschlossen hatte, das inzwischen 10jährige Gespann endlich
auch mal im Winter zu fahren, war's im November noch zugelassen, also konnte ich damit am
Freitag auch nach Stuttgart rodeln. Eine mehrstündige Regenfahrt hatte ich auch lang nimmer,
also harrtee ich der Dinge, die da kommen sollten. In Erwartung besseren Wetters nach Westen
zu hatte ich darauf verzichtet, Regenzeug über die Gore- oder sonstwie Texsachen anzuziehen,
ein Fehler, der gegenwindende Regen wurde immer mehr statt weniger, und nach einer Stunde
war die schon mal wegen Undichtheit umgetauschte Hose auch innen naß. Nach zwei Stunden
war auch der linke Stiefel innen naß, aber dchtig, echte Sockenwaschanlage. Nach zweieinhalb
Stunden waren auch die Handschuhe innen feucht. Ich tröstete mich damit, daß die Jacke und
der rechte Stiefel trocken blieben. meine ganze Ausrüstung von einem Billiganbieter weniger als
die Hälfte üblicher Marktpreise gekostet hatte und auch teure Sachen nicht immer dicht sind.
Naja, am Ziel regnete es nicht mehr, nachdem das Zelt stand und meine unteren Körperpartien
mittels Kleidungswechsels trockengelegt waren, stellte sich eine gewisse Behaglichkeit ein, das
Bewirtschafturigszelt war sogar teilweise beheizt, welch ein Luxus! Am Samstag kam Propeller
Bernhard, ich stellte mich daneben und genoß den Anschauungsunterhcht, wie man
StressPressHefte an wildfremde Gespannfahrer verkauft. Er kann das besser als ich das könnte.
Da für Mittag eine Ausfahrt angesagt war, wollte ich kurz vorher noch was essen. Auf dem Grill
lagen aber nur rote Würste, viel viel Senf half beim Runterwürgen, ohne es wieder auszuspucken.
Den Württembergem hätte ich schon etwas mehr Sinn für genießbare Speisen zugetraut,
umsomehr als ich 7 Jahre lang auch da wohnte. Aber als Mittelfranke kannst halt nirgendwo
anders Wärschdla essen, auch in Oberbayern gibts da nix gscheits.
Das Treffen sonst - naja, alles bestens, keine weiteren Anmerkungen. Lagerfeuer gab's auch, ein
richtiges Höllenfeuerchen. Sonntagsheimfahrt bei bestem Wetter, bester Laune, keine Panne, nur
den Gummistöpsel für das Loch am Motorgehäuse an der Schwungscheibe an der BMW
verloren, und irgendein Blech im Auspuff muss sich losgeschüttelt haben. Und viel viel oft
getankt, alte Säuferin, die R 80.
Reinhard, Holzkirchen