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Zauberlehrling
Als Kulturbanause weiß ich nicht einmal, ob Schiller oder Goethe die Urheber dieses ellenlangen
Gedichts waren, mit dem uns die Lehrer in der Volksschule getrietzt haben, alles lang her und
noch länger vergessen.
Doch in letzter Zeit holt mich der Zauberlehrling wieder ein, denn die Geister, die ich rief, werde
ich niemehr los. So lebensfremd waren unsere Dichterfürsten wahrlich nicht.
Aber eigentlich fange ich die Geschicht am falschen Ende an. Es begann, wie kanns beim
Mederers Vadder anders sein, mit dem Erwerb eines Mopeds (die Marke erwähn' ich schon
garnicht mehr) an dem auch noch ein Beiwagen hing. Seit 90 abgemeldet, ich wette, ein
Westauto hat es als Transportgerät und als Familienmitglied den Rang abgelaufen. Es wurde in
einen Schuppen verstoßen, vergammelte und diente als Behausung für eine Mäusefamilie. Doch
96 nahte ich als Retter, stopfte sie in meine überfüllte Garage und gedachte es nach einmal
Schwamm drüberschmeißen und Luft in die Reifen pumpen wieder zu verscheuern. So schlecht
sah sie trotz ihrer 15 Lebensjahre nicht aus. Aber dann brach meine Liebe zu dieser Marke
wieder durch: Durchgecheckt und Telegabel, Instrumente, Federbeine, Blinker. Rücklichter,
Scheinwerfer, Sitzbank, Kettenschläuche, Kettenkasten, Antriebsrad wurden durch Lagerware
aus meinen Teilevorräten ersetzt. Bremshydraulik neu erstanden und eingebaut, es ging richtig
zur Sache. Nach und nach wurde ein richtiges schmuckes Gespann daraus und der Gedanke, es
zu verkaufen, trat immer mehr in den Hintergrund. Vielleicht bräucht ichs im fortgeschrittenen
Alter selbst als Rollstuhl..
Pople mal wieder vorm Haus am fast fertigen Gespann rum und was fährt an meiner Hütte
vorbei? Ein Transit mit alten Waschmaschinen und Rohren und darunter lugt eine ETZ hervor.
So schnell war ich noch nie in meinem Auto und hab den Schrotttransporter an der nächsten
Ampel gestoppt. Ob dieses alte Moped wohl in die Presse soll, fragte ich den Fahrer. Freilich ,
war die Antwort und da erbot ich mich, die Entsorgung zu übernehmen. Für ein Packerl
Lebkuchen entwand ich dem Barbaren die ETZ. Beim Abladen war sie so komisch leicht,
Kunststück, denn schließlich fehlte beim genaueren Hinsehen der Motor und so fühlte ich mich
wie ein Goldgräber, der auf eine Silberader gestoßen war. Aber hydrauliche Scheibenbremse,
genau das, was meinem Gespann gut zu Gesicht stehen würde. Beim Heimschieben gleich
ausprobiert und das Ding hat so dermaßen zugebissen und nicht mehr losgelassen, Da stand ich
nun, ohne Werkzeug und fern der Heimat. Ein vorbeikommender Radler half mir mit einem
Schraubenzieherchen aus der Patsche. Zuhause dann doch verhaltener Jubel, außer Motor alles
dran, alles drin, nur das Vorderrad hatte einen Batscher. Eine Felge aus meinen Vorräten,
Einspeichen und der Kittel ist geflickt.
Aber dann: Gespann erneut zerpflückt (die Nachbarn wechseln inzwischen die Straßenseite,
wenn sie mir begegnen.). Neue Teile rein, neue Bremse rein, Brems- und Kupplungsamaturen
ausgetauscht und Elektrik von ETZ auf die TS umgestrickt, dafür bin ich zu dumm und mein
Freund Blaubär muß dafür her. Vergaser und Auspuff weiden ebenfalls neu verpflanzt. Ich
hadere mit meinem Glück, warum ist der Transit nicht 2 Tage vorher vorbeigekommen,
schließlich macht meine Silberader jetzt eine Menge Arbeit.
Dann Lack auftreiben: Ich bin ja kein Perfektionist, aber ähnlich wie die DDR Lacke sollten sie
schon sein, Schokoladenbraun und Vanillegelb. Analog der Jogurtbecher bezeichne ich mein
Gespännle jetzt als Mondaminbecher. Meine Stammtischberufslästerer bezeichnen es als
"Wüstensturm". Im Baumarkt umweltfreundliche, wasserlösliche Lacke aufgegabelt, meine
grüne Seele ist beruhigt. Kotflügel vom alten Lack befreit, sch..... überall tauchen Risse auf.
Gebrauchten gekauft, vom Lack befreit, sch.... siehe oben. Zum Schweißen gegeben, und dann
mit dem Wasserlack bearbeitet - Trockenzeit 48 Std. Mit 3 x streichen ist die Woche um.
Dann kam das ETZ Wrack dazwischen, Vorderkotflügel raus und gestrichen, jetzt habe ich 3
K-flügel, 1 zum wegschmeißen und 2 zum lackieren. Nach mehrmaligem Streichen - das Zeug
entmischt sich in Gestalt von Wasser- und Lackträene - und nach ein paar Wochen Trockenzeit
wird der bessere der 2 Kotflügel zwischen die Telegabel geklemmt - o.k.
Petrus läßts ein bißchen regnen und mein Kotflügelchen erscheint im
Leopardenlook, die Regentropfen hinterlassen helle Pwikte. War nun der Lack so mieß oder der
Regen so sauer???Ob dieser Überraschung grantel ich vor mich hin und mein kleiner 7jähriger
Freund aus der Nachbarschaft schnappt sich mit den Worten:"Herr Mederer, jetzt helf ich Dir"
eine Bürste, UM den Lack 7-U bearbeiten. Leider war's die Stahlbürste und das
kratzende Geräusch hinter meinem Rücken ließ mich herumfahren:" Ja
spinnst Du, mit der Stahlbürste auf meinen Lack". scheiß ich ihn
zusammen. Tränen schießen aus den Kinderäuglein und wiederum sind ein
paar Flecken auf meinem K-flügel. "Was soll das heißen, ich habe dir
doch nur geholfen!" Er schmeißt die Bürste weg und rennt heulend
Richtung Elternhaus. Es wird mich eine Palette Überraschungseier kosten,
ihn wieder zu versöhnen, schließlich muß er später mal meine Rente
erwirtschaften. Solche Art geschockte Menschlein sollen später deswegen
schon Erbtanten erschlagen oder Frösche mit einem Strohhalm aufgeblasen
haben, bis zum Zerplatzen ... es kann sich auch umgekehrt abgespielt
haben. Aber ich schliddere mit meinen Abschweifungen gedanklich ins
Kiesbett, denn die Kiste und die Geschichte sind noch nicht ganz fertig.
Ich arbeite weiterhin rückwärts vorwärts.
Die frischmontiere Vierlichtblinkanlage wird durch eine
Zweileuchtenanlage ersetzt, die 90 Watt Limaleistung sollte schon
berücksichtgt werden. Ein Audisitz paßt auch farblich ins Beiboot, man
muß nur darauf kommen. Nach der ersten Frostnacht will ich's EMZETTchen
iii die Garage schieben, aber erster Gang geht nicht raus, Kupplung
kuppelt nicht, Karre steht angewurzelt wie eine Immobilie. Kombiniere,
Getriebe eingefroren!" Motor mit Heißluftpistole erwärmt und Getriebe
ausgeleert und mit frischem Öl versorgt. Man muß nur darauf kommen.
Nun isse praktisch fertig und ich ahne, sie wird mir trotz Platzmangels
und Familienprotest erhalten bleiben. Schließlich braucht man ja was zum
Gespanntreffen.
Servus, Mederers Vadder aus Nürnberg
Mederers Experimental MZ